Mit der High Line hat die Megametropole New York City einmal mehr den Beweis erbracht, dass sie imstande ist, buchstäblich aus dem Nichts Spektakuläres zu erschaffen. In den 2000-er Jahren verwandelte man eine aufgeständerte Güterbahn, die das Viertel Chelsea und den Meatpacking District auf der Westseite Manhattans von Nord nach Süd durchquerte, kurzerhand in einen linearen Park, der heute zu den angesagtesten Attraktionen der Stadt gehört. Hier erlebt man den Big Apple aus einer völlig anderen Perspektive.
Der High Line Park erstreckt sich über fast 2,5 Kilometer. Er verläuft von dem imposanten Hochhauskomplex Hudson Yards, der für seine einzigartige Aussichtsplattform Edge und das begehbare Kunstobjekt Vessel berühmt ist, nach Süden bis zur Gansevoort Street. Der gewählte Name High Line ist eine Hommage an die einstige Hochbahnstrecke, die lange Zeit den Gewerbebetrieben der Gegend als Transportmittel diente. Statt sie abzureißen, versah man das Viadukt in mehreren Abschnitten mit insgesamt elf Zugängen (etwa die Hälfe davon ist barrierefrei) und gestaltete einen einladenden urbanen Raum, der schnell von den New Yorkern und ihren Gästen in Besitz genommen wurde. Jedes Jahr verzeichnet die High Line mehr als acht Millionen Besucher.
Die High Line verheißt zunächst viele aufregende Blicke auf New York mit neuen Augen; mit jedem Meter ändern sich die Stadtansichten. Durchaus spannend sind ganze Gebäudedurchquerungen wie am berühmten Chelsea Market. Ein besonders beliebter Ort ist das Observation Deck über der Kreuzung von 10th Avenue und 17th Street wenige Meter weiter. Während man das Gewimmel auf den Straßen unterhalb beobachten kann, ist der als Amphitheater gestaltete Ort häufiger Schauplatz von Konzerten und anderen Veranstaltungen.
Überhaupt kann die High Line getrost auch als Kulturmeile bezeichnet werden. Neben verschiedenen Events begegnet man immer wieder neuer Straßenkunst und selbst ganzen Ausstellungen. Mit dem Whitney Museum befindet sich sogar eines der bekanntesten Museen der Stadt an der High Line. Das Kunstmuseum hat seit dem Jahr 2015 seinen Stammplatz in einem Neubau in der Gansevoort Street unmittelbar am südlichen Endpunkt des Parks.
Ein Spaziergang hält natürlich noch zahlreiche weitere Erlebnisse buchstäblich für alle Sinne bereit. Zu den vielen Details, an die man bei der Einrichtung der High Line gedacht hat, gehören etwa historische Gleise, die in die Gestaltung einbezogen wurden, oftmals aber in üppigem Grün verborgen sind. Überhaupt zieht sich der reichlich bepflanzte Park wie ein grünes Band durch die Häuserschluchten der Umgebung. Mit Blumen, Gräsern, Buschwerk und sogar ganzen Bäumen sorgt die High Line nicht nur für erfrischende farbliche Akzente, sondern ist ein innerstädtisches Ökosystem, das einer unerwarteten Vielzahl an Insekten (darunter allein 30 Bienenarten), Vögeln und anderen Tieren ein wertvolles Refugium bietet. Unzählige Gelegenheiten zum Sitzen und sogar zum Liegen laden zum Verweilen ein.
Der einzigartige Park gilt als Musterbeispiel für die Wiederbelebung vormaliger Problemzonen und inspirierte zahlreiche andere Städte zu ähnlichen Projekten. Dem Stadtteil Chelsea und dem Meatpacking District brachte die High Line seit der Eröffnung ihres ersten Abschnitts im Jahr 2009 eine Renaissance, die selbst die hohen Erwartungen übertraf. Historische Fabrikgebäude und Lagerhäuser mit ihren markanten Backsteinfassaden wurden in Lofts umgewandelt, während in den Erdgeschossen Galerien, Cafés und angesagte Restaurants einzogen. Ganze Wohn- und Geschäftskomplexe entstanden neu. All das beschert der Gegend rings um diesen ungewöhnlichen Park ein einzigartiges Flair, das Altes mit Neuem geschickt verbindet und zu den unvergesslichsten urbanen Erlebnissen New Yorks gehört.