In Reiseführern wird Pueblo normalerweise nicht als touristisch relevantes Ziel angepriesen oder allenfalls am Rande erwähnt. Tatsächlich ist die Stadt im südlichen Zentrum von Colorado als Industriestandort bekannt. Doch genau hierin liegt eine gewisse Magie. Denn dies erlaubt Besuchern Einblick in eine unverfälschte und bodenständige Seite des ländlichen Amerika am Übergang der Prärie zu den Rocky Mountains. Dank der verkehrsgünstigen Lage lohnt sich mindestens ein Zwischenstopp, den man für den einen oder anderen näheren Blick nutzen sollte.
Selbst das industrielle Erbe, das noch heute auf vielerlei Weise in Pueblo zu verspüren ist, hat durchaus seinen Reiz. Industriegeschichte zum Anfassen verspricht das Steelworks Center of the West in der Canal Street. Der Museumskomplex auf dem Gelände der einst mächtigen Colorado Fuel and Iron Company erzählt die Geschichte der Stahlherstellung in Pueblo und lässt hautnah nachvollziehen, weshalb die Stadt lange Zeit den Beinamen „Pittsburgh des Westens“ trug.
Während direkt um die Ecke noch heute Stahl produziert wird, präsentiert sich die Innenstadt ein paar Kilometer nördlich in dem hübschen und rustikalen Ambiente, das man von einer beschaulichen Stadt im einst so wilden Westen erwartet. Dabei ist Pueblo gar nicht so klein, sondern mit mehr als 100.000 Bewohnern sogar eine ausgewachsene Großstadt. Entlang der belebten Main Street und der Union Avenue spielt sich ein guter Teil des einheimischen Geschäfts- und Kulturbetriebs ab. Im örtlichen Heimatmuseum, das an einen historischen Handelsposten angelehnt ist, erfährt man spannende Details über die Ureinwohner und die ersten weißen Siedler, die sich ab 1840 in der Gegend niederließen.
In Höhe des imposanten architektonischen Ensembles aus dem Rathaus und der Pueblo Memorial Hall lädt der Historic Arkansas Riverwalk zu Spaziergängen oder einer geführten Bootstour auf dem zugehörigen Kanal ein. Nach der verheerenden Flut von 1921 zum Hochwasserschutz angelegt, ist die urbane Parklandschaft nach einer aufwendigen Revitalisierung einer der besten Ort, um sich im Herzen der Stadt eine Pause zu gönnen. Die Memorial Hall, die 1919 als Weltkriegsdenkmal erbaut wurde, wartet als großes Veranstaltungs-Auditorium mit Konzerten, Aufführungen und anderen Events auf.
Wer so richtig etwas erleben will, sollte Pueblo allerdings im August besuchen. Dann findet auf dem Festgelände mit der alljährlichen Colorado State Fair das größte und traditionsreichste Volksfest des Bundesstaates statt. Seit 1872 wetteifern Bauern um die größten Kürbisse und messen sich Cowboys beim Rodeo, während der verlockende Duft von geröstetem Pueblo Chili durch die Lüfte zieht. Es ist eine Zeit, die die gesamte Stadt buchstäblich in einen Ausnahmezustand versetzt.
Ein Feuerwerk kulinarischer Natur gibt es indes das ganze Jahr über zu erleben. Die Stadt und ihre Umgebung sind berühmt für den Pueblo Chili, eine scharfe Frucht, die zu Green Chili verarbeitet wird und den meisten Gerichten eine feurige Note verleiht. Sie ist zum Beispiel unverzichtbarer Bestandteil eines Slopper. Dieser für Pueblo charakteristische Cheeseburger wird aber nicht aus der Hand gegessen, sondern in einer Schüssel voller Chili-Sauce serviert. Die Spezialität sollte man unbedingt probieren, zumal die traditionellen Diners sie zu überraschend günstigen Preisen auftischen.
Überhaupt erstaunt Pueblo mit einem Preisniveau, das in der Regel spürbar unter dem der touristischen Ziele in den nahegelegenen Rocky Mountains liegt. Wer auf ein schmaleres Budget angewiesen ist, kann einen Ausflug zur spektakulären Royal Gorge Bridge gut von hier aus beginnen, statt auf das – allerdings durchaus lohnende – Städtchen Cañon City zurückzugreifen.
Bevor man der Stadt allerdings den Rücken kehrt, lohnt sich bei entsprechender Neigung noch ein Besuch in dem einen oder anderen weiteren Vertreter der überraschend vielseitigen Museumslandschaft. Insgesamt gibt es rund ein Dutzend Museen und Galerien in Pueblo. Für Luftfahrtfans wie geschaffen ist das Pueblo Weisbrod Aircraft Museum, das eine beachtliche Sammlung historischer Militär- und Zivilflugzeuge zeigt.
Eines der prunkvollsten Bauwerke der Stadt beherbergt das Rosemount Museum. Das imposante Herrenhaus aus dem Jahr 1893 umfasst 37 Zimmer macht den luxuriösen Lebensstil der Elite erlebbar, die einst den Wohlstand der Stadt begründete. Es gehörte dem einflussreichen Bankier John A. Thatcher und gilt mit seiner fast vollständig erhaltenen Originaleinrichtung als eine der besterhaltenen viktorianischen Villen der USA.