Pontiac ist eine von den vielen Kleinstädten in den USA, die dem Land das gewisse Etwas verleihen. Neben bodenständigem Charme und einem ausgeprägten Traditionsbewusstsein der Einwohner, die man auch an anderen Orten findet, glänzt die kleine Stadt im Herzen von Illinois mit einer Reihe beachtlicher Sehenswürdigkeiten. Auf halbem Weg zwischen Chicago und der Hauptstadt Springfield gelegen, ist Pontiac die erste bedeutende Station auf der legendären Route 66. Wer auf den Spuren der berühmten Fernstraße wandelt, muss hier unbedingt einen Stopp einlegen.
Vieles, wenn nicht sogar das meiste, hat hier natürlich mit der sagenhaften Main Street of America zu tun, weshalb Nostalgiker in der 10.000-Einwohner-Stadt ins Schwärmen geraten dürften. Ideal als erster Anlaufpunkt ist das Route 66 Hall of Fame and Museum in einer früheren Feuerwache im Herzen der Stadt, das zugleich das örtliche Besucherzentrum beherbergt. Mit Tausenden Ausstellungsgegenständen erzählt es persönliche und bewegende Geschichten über die Mother Road in Illinois.
Eines der wichtigsten Exponate ist der gelbe 1972-er Volkswagen Bully des Künstlers Bob Waldmire, der auf der Route 66 buchstäblich zu Hause war und die Straße in zahllosen Kunstwerken festhielt. Der VW-Bus stand übrigens Pate für den Charakter „Fillmore“ in dem bekannten Animationsfilm „Cars“. Waldmire ist ein weiteres skurriles Exponat zu verdanken – ein zu einem Wohnmobil umgebauter Schulbus, der auf der Rückseite des Museums ausgestellt ist. Die Wand direkt daneben ziert das größte gemalte Route-66-Schild, das jemals erschaffen wurde. Es ist eines der begehrtesten Fotomotive der Stadt.
Überhaupt ist Pontiac berühmt für seine kunstvollen Wandgemälde, die viele Fassaden zieren. Insgesamt gibt es um die 30 dieser Kunstwerke, die Szenen aus dem Leben und der Geschichte der Stadt zeigen und nicht selten einen mehr oder weniger starken Bezug zur Route 66 haben. Am besten entdeckt man die Kunstwerke bei einer Mural-Tour. Dabei stolpert man schon nach wenigen Schritten geradezu ins Pontiac Oakland Auto Museum, ein weiteres Aushängeschild der Stadt. Neben detailverliebt restaurierten Oldtimern der Marken Pontiac und Oakland aus der Blütezeit der Mother Road beherbergt das Museum eine der weltgrößten Sammlungen an historischen Werbemitteln.
Weitere Facetten der Stadt erlebt man im Museum of the Gilding Arts, das sich der Kunst der Blattvergoldung widmet, und im Livingston County War Museum. Letzteres beleuchtet die Geschichte verschiedener militärischer Konflikte aus dem Blickwinkel der Region. Mit diesen Ausstellungen ist Pontiac für eine Stadt dieser Größe nicht nur bemerkenswert reich an Museen. Der allgemeine Eintritt zu diesen Sehenswürdigkeiten ist auch kostenlos.
Das gleiche gilt für das Catherine Yost House Museum, eines von vielen historischen Bauwerken, die bei einem Spaziergang durch die Innenstadt ins Auge fallen. Bemerkenswert sind auch das markante Livingston County Courthouse aus dem Jahr 1875, das 1892 um einen markanten Uhrturm ergänzt wurde, oder das 1857 erbaute Jones House, das älteste Backsteingebäude im Ort. Historisch bedeutsam ist nicht zuletzt das Strevell House, in dem im Jahr 1860 niemand Geringeres als Abraham Lincoln zu Gast war.
Unverzichtbarer Bestandteil eines Stadtbummels sind die drei Swinging Bridges, die den Vermilion River überspannen. Die älteste Hängebrücke stammt aus dem Jahr 1898 und wurde angelegt, um Arbeitern der örtlichen Fabriken die Überquerung des Flusses zu erleichtern. Die jüngste wurde 1978 in Höhe des Humiston-Riverside Parks errichtet und ist ein beliebtes Fotomotiv. Auf der östlichsten Brücke gelangt man auf kurzem Weg in den Chautauqua Park, einem der lohnendsten Orte der Stadt an einem der lauen Sommerabende.
Dann veranstalten die heimischen Vermillion Players regelmäßig Theatervorführungen im historischen Freiluft-Pavillon (im Winter ist der Spielort das Eagle Performing Arts Center mitten im Herzen von Pontiac). Ebenfalls in der warmen Jahreszeit begegnet man bei einem Stadtspaziergang an verschiedenen Orten den so genannten Art Cars. Die künstlerisch gestalteten Nachbildungen von Automodellen haben sich längst zu Publikumslieblingen entwickelt.
Wer nach all den Entdeckungen Hunger verspürt, findet in Pontiac einen der besten Orte um Route-66-Nostalgie mit einem kulinarischen Erlebnis zu verknüpfen. Das Old Log Cabin Restaurant ist weit mehr als ein klassisches Diner, sondern eines der vielleicht kuriosesten Unikate im Verlauf der gesamten Mother Road. 1926 aus Telegrafenmasten erbaut, zeigte seine Front zunächst zur Route 66. Als die Fahrbahn jedoch in den 1940-er Jahren so verlegt wurde, dass sie hinter dem Haus verlief, entschlossen sich seine Eigentümer kurzerhand, das Bauwerk aufzubocken und mit der Kraft mehrerer Pferde um 180 Grad zu drehen.
Die durchreisende Kundschaft blieb damit dem Diner treu. Heute begrüßt das Restaurant Gäste aus aller Welt mit bodenständiger amerikanischer Küche. Damit ist das Old Log Cabin eines der ältesten durchgehend bewirtschafteten Gasthäuser im Verlauf der mehr als 3.600 Kilometer langen Strecke. Rings um den das historische Gerichtsgebäude im Zentrum der Stadt finden sich weitere gemütliche Cafés und Lokale, die jede Menge Abwechslung bieten und dabei zugleich Pontiacs ursprünglichem Charakter treu bleiben.