Von all den Städten mit klangvollen Namen entlang der historischen Route 66 verdient Kingman ohne Zweifel eine besondere Erwähnung. Nicht nur, weil man hier ganz besonders in nostalgischen Gefühlen schwelgen kann, sondern auch aus praktischen Erwägungen. Die Stadt bietet als bedeutender Knotenpunkt mehrerer touristischer Routen eine gut ausgebaute Infrastruktur und lädt förmlich dazu ein, hier Station zu machen.
Die Stadt am Fuße der Hualapai Mountains im Westen Arizonas ist natürlich in erster Linie für ihre Lage an der legendären Main Street of America bekannt und geschätzt. Man bezeichnet sich hier gern stolz als „The Heart of Historic Route 66“, und das hat durchaus seine Berechtigung. Kingman liegt mitten am längsten heute noch im Original erhaltenen Abschnitt der Mother Road, der von Ash Fork westlich von Flagstaff bis zur Staatsgrenze mit Kalifornien verläuft. Und es versteht sich von selbst, dass in der Stadt buchstäblich alles irgendwie mit der berühmten Straße zusammenhängt.
Im Schatten eines hohen Wasserturms, der unübersehbar auf das Route-66-Erbe Kingmans hinweist, befindet sich das Arizona Route 66 Museum, das als eines der besten Museen im Verlauf der historischen Fernstraße gilt. Eingerichtet im Powerhouse, einem historischen Kraftwerk, das einst die Minen der Region mit elektrischem Strom versorgte, präsentiert es die Route 66 im Wandel der Zeiten. Besonders beeindrucken die großformatigen Dioramen, die so lebensecht wirken, dass man fast den Staub der Dust-Bowl-Ära der 1930-er Jahre spürt. Damals kamen ganze Autokarawanen voller Menschen durch Kingman, die ihr Leben im Mittleren Westen zurückließen und ihr Glück in Kalifornien suchten.
Wer diese Reise mit dem Zug antrat, machte sehr wahrscheinlich ebenfalls in Kingman Station. Die Existenz der Stadt ist eng mit der hier durchführenden Eisenbahnlinie, noch heute einer der wichtigsten in den USA, verknüpft. Täglich rauschen mehr als einhundert Güterzüge auf den Gleisen unmittelbar südlich der Innenstadt vorbei, womit Kingman auch ein beliebter Ort bei Trainspottern ist. Im Locomotive Park gleich nebenan steht die imposante Dampflokomotive Nr. 3759 der Santa Fe Railroad als unverkennbares Denkmal für die Zeit, als die Eisenbahn den Puls des Fortschritts bestimmte. Besucher können das Wunderwerk der damaligen Technik sogar besteigen und somit hautnah erleben.
Apropos Fortschritt: Im Route 66 Electric Vehicle Museum erlebt man, dass Elektroautos keine neuzeitliche Erfindung sind. Es ist das erste Museum der Welt, das sich der Elektromobilität widmet. Anhand beeindruckender Exponate zeigt es, dass diese Antriebsform auf eine Geschichte zurückblickt, die fast so alt ist wie die des Automobils an sich. Der Fundus umfasst mehr als einhundert Fahrzeuge. Dabei reicht die Palette von einer elektrischen Gepäckschleppmaschine vom Typ Ellwell-Parker aus dem Jahr 1909 bis hin zum batteriegetriebenen Rennwagen Buckeye Bullet 2.5. Zu sehen ist auch der erste Street Rod der Welt mit E-Antrieb, der 1995 auf die Straße kam.
In der Innenstadt, der man in den letzten Jahren mit viel Aufwand zu neuem, alten Glanz verholfen hat, erlebt man eine Mischung aus Wildem Westen und Route-66-Ambiente. Eine Institution ist das Mr D’z Route 66 Diner, das mit seinen Neonfarben sofort ins Auge fällt. Im zugehörigen Andenkenladen kann man sich mit thematisch passendem Kitsch eindecken oder in der parallel verlaufenden Beale Street auf die Pirsch nach weiteren Erinnerungen gehen. Das historische Herz von Kingman strahlt mit Läden, Cafés und dem Beale Street Theater den Reiz des frühen 20. Jahrhunderts aus. Im Mohave Museum of History and Arts lässt sich ein Ausflug in die örtliche Geschichte abrunden.
Benannt ist die Beale Street zu Ehren von Edward Fitzgerald Beale. Der Marineoffizier und Entdecker legte im Jahr 1857 im Auftrag der US-Regierung eine Wagenstraße entlang des 35. Breitengrades an, die als Beale Wagon Road und einfacher Vorgänger der Route 66 in die Geschichte einging. Noch heute sind die Spuren, die die Fuhrwerke im Sandstein hinterließen und als Wagon Ruts bekannt sind, an manchen Stellen sichtbar. Einen guten Eindruck hiervon erhält man auf dem White Cliffs Wagon Trail nördlich der Innenstadt, der Ende des 19. Jahrhunderts als Transportweg für Erz diente.
Nach wie vor ist Kingman ein wichtiger Kreuzungspunkt. Die Stadt liegt im Schnittpunkt der Verkehrswege zwischen Las Vegas, Phoenix, dem Grand Canyon National Park und dem südlichen Kalifornien. Touristisch ist auch deshalb spannend, weil sich bedeutende Sehenswürdigkeiten wie die Lake Mead National Recreation Area oder Grand Canyon West in der Nähe befinden. Ein weiteres Highlight ist die einstige Goldgräberstadt Oatman, die für ihre freilebenden Esel berühmt ist.
Bevor man Kingman den Rücken kehrt, sollte man die Gelegenheit nicht auslassen, unter dem Kingman Route 66 Arch ein Erinnerungsfoto zu schießen. Der ikonische Torbogen, der sogar durchfahren werden kann, steht vor dem historischen Powerhouse.