Nicht spektakulär, aber dafür grundsolide, ehrlich und authentisch – so lässt sich Joplin beschreiben. Die Kleinstadt im Westen Missouris ist ein Etappenziel an der legendären Route 66. Wer bei einer Reise auf der ikonischen Straße hier durchkommt, sollte sich ruhig etwas mehr Zeit nehmen und einen Ort kennenlernen, der den ländlichen Charme des Mittleren Westens eindrucksvoll repräsentiert und auch noch für die eine oder andere Überraschung gut ist.
Ein Blick in die durchaus beachtliche Innenstadt zeigt, wie sehr Joplin von seiner bewegten Vergangenheit geprägt ist. Restaurierte Backsteingebäude erinnern an den wirtschaftlichen Aufbruch Anfang des 20. Jahrhunderts und die Blüte zur Hochzeit der Route 66, als sich die Stadt von einem unscheinbaren Bergbauort zu einem regionalen Dreh- und Angelpunkt entwickelte.
Das ist sie bis heute. Mit mehr als 50.000 Einwohnern zählt Joplin gar zu den bedeutendsten Städten in Missouri und bietet ihren Besuchern somit eine gute Infrastruktur. Dazu gehört nicht nur ein großes Angebot an Gastronomie und Unterkünften, sondern auch einige kulturelle Höhepunkte. Da ist zum Beispiel das traditionsreiche Joplin Little Theatre. Obwohl es sich um ein Laientheater handelt, erlebt man Vorstellungen auf hohem Niveau, was dem Haus seit 1939 beständigen Zulauf beschert. Es ist eines der anerkanntesten Laientheater der USA und das älteste westlich des Mississippi. Im Cornell Complex stehen professionelle Aufführungen der Heartland Opera oder gastierender nationaler Ensembles auf dem Programm.
Gleich um die Ecke feiert Joplin seine darstellenden Künste in Form eines großen Wandbildes. Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt fallen zahlreiche farbenfrohe Murals ins Auge, die mitunter ganze Fassaden bedecken und eines der lokalen Aushängeschilder sind. Am bekanntesten dürfte der Route 66 Mural Park in der Main Street sein. Das Kunstwerk ist zugleich der Höhepunkt der selbstgeführten Downtown Joplin Mural Tour, die ein Dutzend bemerkenswerter Wandbilder miteinander verbindet. Eine weitere Station ist die Joplin City Hall schräg gegenüber. Das Rathaus beherbergt weitere Wandbilder, darunter eine Szene des weltbekannten Künstlers Thomas Hart Benton, die die Stadt zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigt.
Wer angesichts dieses Anblicks Lust verspürt, sich eingehend über die Lokalgeschichte zu informieren, findet im Joplin History and Mineral Museum ausgiebig Gelegenheit. Hier erfährt man unter anderem, dass die Stadt ihre Existenz und erste Blüte dem Fund von Blei- und Zinkerz in der Region verdankt. Zu bewundern gibt es in diesem Zusammenhang eine wertvolle Sammlung von Mineralien.
Das Geschichtsmuseum im Schifferdecker Park widmet außerdem eine ganze Ausstellung dem Tornado vom 22. Mai 2011, der als einer der verheerendsten Wirbelstürme in der Geschichte der USA weite Teile der Stadt verwüstete. Im Mittelpunkt stehen das Gedenken an die Opfer und der Wiederaufbau der Stadt. Hiervon zeugt auf beeindruckende Weise der Cunningham Park mit einem Schmetterlingsgarten und Mahnmalen. Obgleich alles andere als eine Attraktion in touristischem Sinn, ist der Besuch dieses Ortes eine bewegende und inspirierende Erfahrung.
Direkt vor den Toren der Stadt befinden sich zwei landschaftliche Highlights, die zum Pflichtprogramm gehören. Das.Wildcat Glades Conservation Area entlang des Shoal Creek umfasst ausgedehnte Wälder und Feuchtgebiete mit einer vielfältigen Flora und Fauna und seltenen Gesteinsformationen. Auf Wanderwegen erkundet man unberührte Natur oder informiert sich im Shoal Creek Conservation Education Center über den wertvollen Naturraum. Nur wenige Kilometer flussabwärts stürzt der Shoal Creek über eine fast vier Meter hohe und 50 Meter breite Felskante. Bekannt als Grand Falls, ist der größte permanente Wasserfall Missouris weit über Joplin hinaus bekannt und ein ein beliebtes Fotomotiv und Ausflugsziel.
Nur ein paar Minuten außerhalb befindet sich das George Washington Carver National Monument. Es umfasst eine Farm, auf der George Washington Carver, einer der bedeutendsten schwarzen Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, seine Kindheit verbrachte und ist das erste Nationalmonument, das einem Afroamerikaner gewidmet wurde. Es bietet sich für einen Abstecher an, bevor es auf der Route 66 weitergeht.
Nicht weit von Joplin, gleich hinter dem Dreiländereck von Missouri, Kansas und Oklahoma, befindet sich mit der Ribbon Road übrigens eine besondere Rarität im Verlauf der historischen Streckenführung. Der fünf Kilometer lange Abschnitt ist das einzige verbliebene Teilstück der Route 66, das einspurig gebaut und mit Bordsteinen eingefasst wurde. Es befindet sich südlich der Ortschaft Miami und steht heute unter Denkmalschutz.