Eigentlich ist Casey einer dieser zahllosen Orte, deretwegen der Mittlere Westen in dem Ruf steht, alles andere als aufregend zu sein. Doch der typisch amerikanische Einfallsreichtum veranlasste die unscheinbare Stadt im Osten von Illinois, sich mit Dingen zu schmücken, die es in dieser Form nirgends sonst gibt und sich den Titel als Hauptstadt der Weltrekorde zu verleihen. Die Idee lohnt sich, denn mittlerweile ist Casey über die Staatsgrenzen hinaus bekannt und geben sich hier Touristen reihenweise die Klinke in die Hand.
Zu den skurrilen Highlights, die unübersehbar das Stadtbild prägen, gehören der größte Briefkasten der Welt, das weltgrößte Windspiel oder ein unübertroffener Schaukelstuhl. Populäre Fotomotive sind auch der mehr als neun Meter hohe Golfballhalter oder eine riesige Mistgabel. Insgesamt hält Casey ein Dutzend offizielle Guinness-Weltrekorde für die größten Objekte ihrer Art weltweit. Hinzu kommen zahlreiche weitere überlebensgroße Dinge, für die es zwar keine Würdigung als Weltrekord gab, die aber trotzdem Eindruck hinterlassen.
Den Anstoß zu der Rekordjagd gab der lokale Geschäftsmann Jim Bolin im Jahr 2011, der Aufsehen erregen und auf diese Weise das vom wirtschaftlichen Abschwung betroffene Casey ins öffentliche Bewusstsein holen wollte. Die vielen Besucher im Ort zeigen, dass der Plan aufging. Viele kommen eigens wegen der skurrilen Gegenstände hierher, die ohne Frage außergewöhnliche Fotomotive abgeben und im Gedächtnis bleiben.
Das Besondere ist zudem, dass manches Objekt nicht nur zum Anschauen da ist, sondern interaktive Erlebnisse verspricht oder zumindest einem praktischen Zweck dient. So gelangt man auf einer Treppe ins Innere des riesigen Briefkastens und kann von oben die Aussicht über die Umgebung genießen. Auch den weltgrößten Vogelbauer kann man betreten. Die gigantischen Holzschuhe in der Bäckerei Whisk + Lollies dienen als überdimensionales Sammelbecken für Spenden.
Weitere außerordentlich groß geratene Dinge finden sich an fast jeder Ecke im Herzen des 2.500 Einwohner zählenden Ortes – vom weltgrößten Schaukelstuhl über den größten jemals gefertigten Schlüssel bis hin zu einer gigantischen Wippe. Beinahe fühlt man sich als Winzling in einer Welt von Riesen. Andere beliebte Skurrilitäten sind die Statue eines Ferkels, die man ausgerechnet vor einer Metzgerei aufgestellt hat, ein Bleistift im XXL-Format oder eine große Minion-Figur. Der Einfallsreichtum kennt kaum Grenzen und hat sich auch in anderen Orten im Mittleren Westen bewährt. Doch bei Größe, Anzahl und Themen ist Casey unerreicht.
Abgesehen von seinen Weltrekord-Objekten verströmt Casey den ruhigen Charme einer typisch amerikanischen Landgemeinde mit rauer, aber herzlicher Gastlichkeit. Hier trifft man die Menschen, die hinter den großen Gegenständen stecken. In den lokalen Kolorit mischt sich immer öfters auch ein Hauch von weiter Welt. Denn Casey lockt mittlerweile auch so manchen Besucher aus Übersee an.
Wer auf der Durchreise zwischen St. Louis und Indianapolis ist, kann der Kleinstadt nahe der Grenze zu Indiana bedenkenlos einen Zwischenstopp widmen. Allerdings sollte man beachten, dass der Takt des Lebens in der ländlichen Gegend beschaulicher läuft. So herrscht sonntags und montags in vielen Läden und Lokalen Ruhepause.
Casey verdankt seine Existenz übrigens dem ursprünglich geplanten Bau der ersten Fernstraße der USA überhaupt, die heute als Historic National Road verehrt wird. Der Ort wurde 1834 als Versorgungsstation und Rastplatz für Durchreisende angelegt. Im Grunde knüpfen die überdimensionalen Sehenswürdigkeiten an diese Ursprünge an. Sie sind ein zeitgemäßer und geschickter Weg, um Reisende zu einem Stopp zu verleiten.