Washington National Cathedral

Beim Gedanken an die Bundeshauptstadt Washington kommt einem spontan einiges in den Sinn, doch die Washington National Cathedral zählt normalerweise nicht dazu. Dabei ist die sechstgrößte Kathedrale der Welt ein Ort, der Aufmerksamkeit verdient. Als Bindeglied von Religion, Geschichte und Kultur bildet das Gotteshaus auf dem Mount Saint Alban nordwestlich der Innenstadt einen facettenreichen und spannenden Gegenpol zu Macht und Politik, aber auch zu den klassischen Sehenswürdigkeiten im Herzen der Metropole.

Schon auf den ersten Blick erkennt man ob der gewaltigen Dimensionen, dass diese Kirche mit Platz für bis zu 4.000 Personen eine ganz besondere ist. Dabei sieht man der Kathedrale mit ihren neogotischen Fassaden voller aufwendiger Steinmetzarbeiten gar nicht einmal an, dass sie noch recht jung ist. Obwohl ihr Grundstein bereits im Jahr 1907 gelegt wurde, dauerte es ganze 83 Jahre, bis das Bauwerk schließlich 1990 vollendet wurde. Seither dient es als würdiger Schauplatz für nationale Staatsakte und herausragende Kulturereignisse. Gefeiert werden aber gleichermaßen ökumenische und episkopale Gottesdienste.

Trotz der eigentlichen Zweckbestimmung als christliche Kathedrale, die oft auch als National House of Prayer bezeichnet wird, sind Menschen aller Glaubensrichtungen herzlich willkommen. Jedes Jahr zählt die Washington National Cathedral rund eine halbe Million Besucher. Diese bekommen Dinge zu sehen, die für ein klassisches Gotteshaus mehr als ungewöhnlich sind und den einzigartigen Reiz der Washington National Cathedral unterstreichen. So verbirgt sich in der neugotischen Pracht eine humorvolle Hommage an die moderne Popkultur. An der Außenfassade ist einer der Wasserspeier nicht in traditioneller Form, sondern in Gestalt der Maske von Darth Vader ausgeführt.

Ein weiteres faszinierendes Detail ist ein Stück Mondgestein, das in eines der farbenprächtigen Glasfenster mit einer kosmischen Darstellung eingelassen ist. Das Fragment war ein Geschenk der Besatzung der Apollo-11-Mission und schlägt eine Brücke zwischen Glauben und Wissenschaft. Auch sonst ist die Washington National Cathedral reich an Symbolik, die weniger der Religion, sondern der nationalen Bedeutung des Bauwerks zuzuschreiben ist. So finden sich in Schnitzereien des Chorgestühls und den Säulenkapitellen zwischen biblischen Szenen zahlreiche Darstellungen der amerikanischen Flora und Fauna.

Bronzestatuen von George Washington und Abraham Lincoln erinnern an zwei herausragende Führungsfiguren der USA. Andere Persönlichkeiten wie der 28. Präsident Woodrow Wilson oder die berühmte Autorin Helen Keller fanden in der öffentlich zugänglichen Krypta des monumentalen Bauwerks ihre letzte Ruhe. Überhaupt weht der Geist der Seele Amerikas auf vielerlei Weise durch die heiligen Hallen dieses nationalen Kulturschatzes. Von der Kanzel etwa hielt der berühmte Bürgerrechtler Martin Luther King, Jr. seine letzte große Predigt.

Einen lebendigen und frohen Kontrast zu dem gewaltigen Kirchenbauwerk bietet der Bishop’s Garden, eine Oase voller Ruhe und Frieden auf der Südseite. Nach dem Vorbild eines mittelalterlichen Klostergartens angelegt, wandelt man auf verschlungenen Pfaden zwischen duftenden Rosen und Kräutern. Es ist genau der richtige Ort, um das Erlebnis der Washington National Cathedral nachwirken zu lassen.

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