Die St. Patrick’s Cathedral im Herzen von Manhattan ist ein Ort, der die Kontraste von New York City vor Augen führt wie kaum ein anderer. Die beeindruckende Kathedrale behauptet sich mit ihrer neugotischen Fassade zwischen monumentalen Wolkenkratzern. Tradition und Moderne verschmelzen hier in Vollendung und bringen Besucher immer wieder zum Staunen. Doch das ist erst der Anfang, denn das Gotteshaus als eine der meistbeachteten Attraktionen der Stadt bietet noch vieles mehr.
Im Gegensatz zu ihrer heutigen Erscheinung, die sich in die Häuserschlucht der vornehmen Fifth Avenue einfügt, war die Kathedrale bei ihrer Eröffnung im Jahr 1879 ein architektonischer Meilenstein fernab vom damaligen Stadtzentrum. Mit ihrer weißen Marmorfassade, der großen Fensterrosette über dem gewaltigen Hauptportal und den exakt einhundert Meter hohen Doppeltürmen war sie seinerzeit das imposanteste und mit Abstand höchste Bauwerk New York Citys.
Auch wenn heute die Metropole die Kirche buchstäblich vereinnahmt hat, hat sie sich nicht nur die architektonische Erhabenheit von damals bewahrt, sondern auch ihre Beschaulichkeit. Sobald man nämlich die schweren Bronzetüren durchschritten hat, findet man sich inmitten einer andächtigen Stille wieder, wie sie in ihren Anfangstagen geherrscht haben muss. Diese friedliche Oase der Ruhe inmitten all der New Yorker Betriebsamkeit zu verspüren, die außerhalb der mächtigen Mauern den Takt vorgibt, macht so manchen Besucher sprachlos.
Vielleicht liegt es aber auch an den schieren Dimensionen, mit denen die St. Patrick’s Cathedral aufwartet. Die enormen Pfeiler tragen ein Kreuzrippengewölbe unter einem hölzernen Dach, das das Gotteshaus in fast 34 Metern Höhe überspannt. Von den Seiten fällt durch 78 Hauptfenster, von denen die meisten höchste Glaskunst aus England, Frankreich und Boston repräsentieren, reichlich Licht in die drei Kirchenschiffe. Gebrochen von den farbigen Glasscheiben, breitet es sich als warmer Schimmer aus, der den Innenraum auf magisch anmutende Weise umschmeichelt.
Den Hauptaltar krönt ein 17 Meter hoher Baldachin aus massiver Bronze. Dahinter versteckt sich die im Jahr 1900 hinzugefügte Marienkapelle im Stil der französischen Gotik. Mit ihren äußerst filigranen Steinmetzarbeiten ist sie ein Juwel, das aus der ohnehin bemerkenswerten Kathedrale nochmals besonders hervorsticht. Es bietet bis zu 3.000 Menschen Platz, die bei Gottesdiensten oder Konzerten die Reihen füllen. Vor allem, wenn die 9.000 Pfeifen der gewaltigen Orgel die größte Kirche ihrer Art der USA mit ihren raumgreifenden Klängen erfüllen, überwältigt einen das Gefühl von Ehrfurcht.
Allerdings braucht es keines dieser Events, um die St. Patricks’s Cathedral zu bewundern. Besucher aller Religionen sind in dem Gotteshaus während seiner allgemeinen Öffnungszeiten stets willkommen. Mit mehr als fünf Millionen jährlichen Gästen zählt die Kathedrale sogar zu den meistbesuchten Orten im Osten der USA.
Für viele Besucher New Yorks ist die St. Patrick’s Cathedral unzertrennbar mit dem direkt gegenüber befindlichen Rockefeller Center verbunden. Der Kontrast zwischen den beiden Attraktionen könnte kaum größer sein. Besonders symbolträchtig unterstreicht dies die bemerkenswerte Atlasstatue auf dem kleinen Platz zwischen dem erhabenen Gotteshaus und dem mächtigen Wolkenkratzer. Während der Titan mit dem Himmelsgewölbe auf den Schultern menschliches Selbstbewusstsein verkörpert, steht die Kathedrale für göttliche Demut – ein faszinierendes Detail, das die Besonderheit dieses Ortes unterstreicht.