Rhyolite

Rhyolite ist eine der bekanntesten Geisterstädte der USA. Die einstige Stadt liegt östlich des sagenhaften Death Valley National Parks vor den Toren der Ortschaft Beatty, ist leicht mit dem Auto zu erreichen und lässt mit ihren fotogenen Ruinen Bedeutung und Glanz des kurzlebigen Ortes erkennen. Kunstinstallationen tragen ihren Teil zur Popularität von Rhyolite bei, das sich damit sowohl Nostalgikern wie auch Kulturliebhabern für einen interessanten Abstecher empfiehlt.

Spaziert man durch die staubigen Straßen, mag man kaum glauben, welch rasanten historischen Bogen die Stadt spannte – von ihrer Gründung im Jahr 1905, nachdem man in den Bullfrog Hills Gold entdeckt hatte, bis zu ihrem Ende 1920. Dazwischen liegt ein beispielloser Boom, der dem Ort in kürzester Zeit Geschäfte, Banken, Saloons, Hotels, ein Opernhaus und Tausende hoffnungsvolle Einwohner bescherte, aber nur von kurzer Dauer war. Die Finanzkrise von 1907 und die Schließung der Montgomery Shoshone Mine drei Jahre darauf läuteten einen ebenso raschen Niedergang ein.

Auch wenn die Wüste schnell wieder Besitz von Rhyolite ergriff, lässt sich noch heute beim Anblick der von der Zeit gezeichneten Ruinen der Optimismus ablesen, auf den die klassische Boomtown jener Zeit erbaut wurde. Die Gebäudereste sind gefragte Fotomotive. Vor allem gilt dies für die Ruinen der Cook Bank, die seinerzeit als eines der prächtigsten Bauwerke der Region galt. Auch das, was von Rhyolites Bahnhof und dem einstigen Schulhaus verblieben ist, vermittelt noch immer ein Gefühl für den einstigen Stellenwert der Stadt, von der mancher hoffte, sie würde eines Tages den Mittelpunkt im Westen der USA bilden.

Während derlei Wünsche zusammen mit der Stadt zu Staub zerfielen, hat das wohl skurrilste Gebäude weit und breit die Zeiten erstaunlich gut überstanden. Es ist das Haus des Bergmanns Tom Kelly, der es im Jahr 1906 in Ermangelung günstiger Baustoffe kurzerhand aus 50.000 leeren Flaschen aus dem benachbarten Saloon errichtete. Tom Kelly’s Bottle House ist weit über Nevada hinaus bekannt. Bereits 1925 nutzte es Paramount Pictures für Filmaufnahmen. Heute sorgen Besucher dafür, dass sich das Flaschenhaus auf vielerlei Weise in sozialen Medien wiederfindet.

Gleiches gilt für das Goldwell Open Air Museum, das großformatige Kunstwerke zeigt und Rhyolite um eine spannende Facette bereichert. Highlights sind die geisterhafte Interpretation vom „Letzten Abendmahl“ des belgischen Künstlers Albert Szukalski oder „Lady Desert: The Venus of Nevada“, eine weibliche Skulptur, die aus rosa gefärbten Quadern besteht. Die Werke interagieren geschickt mit der Wüstenlandschaft und bilden gleichzeitig einen eigenwilligen Kontrast zwischen zeitgenössischer Kunst und materiellem Verfall.

All das verleiht Rhyolite einen besonderen Reiz und lohnt den Besuch des Ortes, den es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Am besten für eine Entdeckungstour eignen sich die frühen Morgenstunden oder der Sonnenuntergang, wenn sich die Szenerie in warmem Licht präsentiert und erträgliche Temperaturen herrschen. Mit vielfältigen Eindrücken empfiehlt sich Rhyolite als stimmungsvolle Ergänzung zum Death Valley National Park. Jeweils nur wenige Autominuten von der Parkgrenze und Beatty entfernt, lässt sich dieses Erlebnis mühelos in einen Reiseplan integrieren.

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