Old Salem ist ein Ort, an dem sich auf wunderbare Weise in eine längst vergangene Ära eintauchen und Geschichte hautnah spüren lässt. Das weitläufige Freilichtmuseum gilt als eine der umfassendsten historischen Stätten der USA. Von der Einwanderung über Religion und Schicksale von Minderheiten bis zu traditionellem Handwerk verwebt die wichtigste Attraktion in Winston-Salem viele Facetten zu einem lehrreichen und zugleich unterhaltsamen Erlebnis.
Bei einem Spaziergang durch die Main Street, die mitten durch das historische und dabei höchst lebendige Museumsviertel verläuft, fühlt man sich direkt ins 18. Jahrhundert zurückversetzt. Die Architektur der Siedler der Herrnhuter Brüdergemeine, die sich hier im Januar 1766 niederließen, prägt das Bild der Hauptstraße und ihrer Umgebung. Obwohl ursprünglich aus Mähren stammend, brachten sie von ihrer Zwischenheimat in Sachsen die deutsche Sprache, Brauchtum und Baukunst mit, was sich bis heute gut an Namen und architektonischen Details ablesen lässt. Die Mehrzahl der Bauwerke ist sogar noch im restaurierten Ursprungszustand erhalten, während einige Häuser in Anlehnung an die Originale rekonstruiert wurden und sich harmonisch in das Ensemble einfügen.
Besondere Juwelen sind die Salem Tavern aus dem Jahr 1784, in der sogar George Washington einst logierte, und das Single Brothers‘ House in traditioneller germanischer Fachwerkbauweise von 1769. Das schlichte Fourth House wurde sogar noch ein Jahr zuvor erbaut und ist damit das älteste erhaltene Haus in Old Salem. Ein Muss ist außerdem die Winkler Bakery. 1799 erbaut, ist das Haus nicht nur eine weitere historische Kostbarkeit. Besucher sollten sich das hier nach traditionellen Rezepten Gebackene nicht entgehen lassen. Der Holzofen ist seit 1807 ununterbrochen in Betrieb und die Bäckerei damit die älteste in ganz North Carolina.
Besucher können der althergebrachten Handwerkskunst hier und an vielen weiteren Orten in Old Salem auf den Grund gehen. Buchstäblich jedes Haus beherbergt ein Museum oder einen Handwerksbetrieb, in dem Besucher nicht nur allerlei Lehrreiches erfahren. Darsteller in zeitgenössischen Aufzügen machen die Erlebnisse tatsächlich zu einer vollendeten Zeitreise. Hinter dem leuchtend gelben Miksch House aus dem Jahr 1783 lässt sich sogar Bekanntschaft mit dem traditionellen Gartenbau machen, den die mährischen Siedler mit in das heutige North Carolina brachten. Der historische Garten mit Kräutern, Gemüse und Blumen ist für Besucher zugänglich.
Beim Blick hinter die Fassaden lüftet Old Salem noch so manches weitere Geheimnis, das lange Zeit im Schatten der Geschichte lag. So beleuchtet der Museumskomplex mit dem Projekt „Hidden Town“ das Leben versklavter Menschen, die maßgeblichen Anteil am Wohlstand der Siedlung hatten. Dem Gedenken an diese Schicksale widmet sich in erster Linie die St. Philips Moravian Church. 1861 erbaut, ist die kleine afroamerikanische Kirche in der Church Street die älteste ihrer Art in North Carolina. An die Geschichte der Sklaverei erinnert zudem eine Ausstellung in der Salem Tavern.
Am südlichen Rand des historischen Bezirks von Old Salem, der aufgrund seiner Bedeutung auch unter nationalem Denkmalschutz steht, befindet sich mit dem Museum of Early Southern Decorative Arts ein Leckerbissen für Kunstfreunde. Über die äußere Erscheinung im Stil der 1960-er Jahre, die nicht wirklich zum ansonsten pittoresken Bild von Old Salem passt, tröstet eine der umfangreichsten Sammlungen der USA für das frühe Kunsthandwerk der Südstaaten hinweg. Themenräume mit kostbaren Möbeln, Textilien, Keramiken und anderen Objekten dokumentieren die ästhetische Entwicklung der Region vom 17. bis ins 19. Jahrhundert.
Die Einrichtung gehört zum Frank L. Horton Museum Center, das auch das Old Salem Visitor Center auf der anderen Straßenseite umfasst. Das markante Empfangsgebäude ist nicht nur ein Ort, an dem sich Interessierte vertiefend mit der historischen Entwicklung befassen können. Hier gibt es mit der Tannenberg-Orgel aus dem Jahr 1800 die größte noch existierende Orgel des berühmten Orgelbauers David Tannenberg zu bewundern. Außerdem sind Souvenirs, Kartenmaterial und All-Access-Tickets erhältlich. Mit den Eintrittskarten haben Besucher Zugang zu allen Museen, Ausstellungen, Innenräumen der Wohnhäuser sowie den lebendigen Handwerksvorführungen.
Wer ausschließlich durch die Straßen von Old Salem schlendern möchte, um die besondere Atmosphäre dieses Ortes in sich aufzunehmen, verpasst zwar einen wesentlichen Aspekt, kann dies aber gratis tun.