So mancher bezeichnet Oatman als Geisterstadt. Dabei ist der kleine Ort in den Black Mountains im Westen Arozonas höchst lebendig. Wo im Goldrausch des 19. Jahrhunderts Bergwerke, Hotels, Saloons, Geschäfte und zweifelhafte Etablissements die Goldgräberstadt mit Leben erfüllten, geben sich heute Touristen die Klinke in die Hand. Oatman gilt als eines der unverzichtbaren Highlights entlang der legendären Route 66.
Tatsächlich ist es wohl dem historischen Verlauf der berühmten Straße zwischen Kingman und Needles zu verdanken, dass Oatman das Schicksal zahlreicher anderer Bergbauorte, an die heute bestenfalls Geschichtsbücher erinnern, erspart blieb. Trotzdem scheint irgendwie die Zeit in der entlegenen Ortschaft zu stehen und lässt sie wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken.
Der Oatman Highway, die staubige Hauptstraße durch das Städtchen, wird gesäumt von wettergegerbten Holzfassaden mit hölzernen überdachten Gehwegen. Westernambiente vom Feinsten. Lediglich das altehrwürdige Oatman Hotel in seiner Adobebauweise sticht hervor und unterstreicht seinen Anspruch, das erste Gebäude im Ort zu sein. Das 1902 erbaute Haus überstand eine Feuersbrunst und diente dem legendären Schauspielerpaar Clark Gable und Carole Lombard als Unterkunft, weshalb es heute Kultstatus genießt.
Doch das ist nichts im Vergleich zu Oatmans Hauptattraktion, seinen berühmten Burros. Die wilden Esel, Nachkommen von einst im Bergbau eingesetzten Lasteseln, bevölkern die Straßen des Städtchens und geben den den Takt vor. Niemand stört sich daran, wenn die eigenwilligen wie zutraulichen Vierbeiner den Verkehr blockieren und mitunter recht aufdringlich Leckereien einfordern. Keine Frage, dass es überall Leckerlis wie Möhren oder Heupellets zu kaufen gibt, mit denen man die liebenswerten Gesellen beglücken kann.
Gelingt es dann irgendwann, sich von den Burros zu lösen, kann man so mancher weiteren touristischen Verlockung erliegen. Im einstigen Gefängnis ist ein kleines Museum eingerichtet, und in einer nachgebauten Mine kann man sich ein Bild davon machen, wie beschwerlich die Suche nach dem begehrten Gold einst war. In Souvenirläden wartet allerlei Zeug darauf, den Besitzer zu wechseln, doch mit geschultem Blick entdeckt man auch so manche handgemachte Kostbarkeit, die sich hervorragend als Andenken eignet.
Wer die historische Route 66 befährt, kommt zwangsläufig durch Oatman. Aber auch so ist der Ort voller nostalgischem Flair ein lohnendes Ausflugsziel. Die nächstgelegenen größeren Städte Kingman und das Spielerparadies Laughlin in Nevada sind jeweils nur eine dreiviertel Autostunde entfernt.