Hinter der Bezeichnung Devils Punchbowl verbirgt sich nicht irgendeines der Naturwunder, mit denen die Westküste der USA übersät ist, sondern ein ganz besonderer Schatz. Es handelt sich um eine eingestürzte Seehöhle in Oregon, die einen Kessel bildet, in dem der Pazifische Ozean in mächtigem Getöse brandet. Das Spektakel begeistert Schaulustige seit Generationen und war dem Staat die Ausweisung als eigenes Naturschutzgebiet wert. Die Devils Punchbowl State Natural Area sollte man sich nicht entgehen lassen.
Vom Rand der Klippen bietet sich nicht nur ein umwerfender Blick auf die Devils Punchbowl aus rötlichem Sandstein und Schiefer, sondern man spürt trotz sicherer Entfernung die ungezähmte Energie der Natur. Wenn mächtige Wellen durch tunnelartige Öffnungen in das Innere der kreisrunden Höhlung schießen, gleicht sie einem brodelnden Hexenkessel. Gischt peitscht an seinen Wänden empor und erfüllt die Luft mit einem feinen Sprühnebel, während dumpfes Grollen aus dem Rund hallt. Wasser, Luft und Licht inszenieren hier ein Schauspiel, das in Erinnerung bleibt und dem Namen dieses Naturwunders alle Ehre macht.
Was auf den ersten Blick unberechenbar erscheint, folgt tatsächlich einem festen Rhythmus, den die Gezeiten bestimmen. Besonders ungezügelt präsentiert sich die Devils Punchbowl bei Flut. Herrscht dagegen Niedrigwasser, zeigt die Höhle ein anderes Gesicht. Dann liegen mächtige Felsbrocken und Geröll, die einst das Dach der Höhle bildeten, frei. Während eines kurzen Zeitfensters lässt sich über einen Pfad vom Nordstrand her sogar das Innere des Hohlraums betreten und aus einer Perspektive bewundern, die die meisten Besucher nicht zu Gesicht bekommen. Die Dimensionen der enormen Kammer werden erst dann so richtig begreifbar.
Das Unterfangen verheißt ein eindrucksvolles Erlebnis für Abenteuerlustige, ist allerdings nicht ganz ungefährlich. So können sich jederzeit Gesteinsbrocken aus dem Gewölbe lösen und vereinzelte Riesenwellen hereinbrechen. Außerdem ist das Geröll am Grund mit feinen Algen überzogen und rutschig. Bei einer Expedition ins Herz der Devils Punchbowl ist daher äußerste Achtsamkeit vonnöten.
Wenngleich die Punchbowl die Hauptattraktion des Naturschutzgebietes wenige Autominuten nördlich von Newport ist, lohnt sich ein näherer Blick in die Umgebung. Die Devils Punchbowl State Natural Area verspricht auch jenseits ihres eigentlichen Protagonisten tolle Ausblicke auf den Ozean. Vor allem im Winter und zeitigen Frühjahr stehen die Chancen gut, vorbeiziehende Wale zu Gesicht zu bekommen. Meereslebewesen hautnah studieren lassen sich zudem in den Tide Pools, für die die Felsplateaus der Gegend berühmt sind. Die Gezeitentümpel sind wie kleine Aquarien, in denen man bei Ebbe Krebse, Seesterne und mitunter kleine Fische in ihrem natürlichen Lebensraum bewundern kann.
Romantisches Flair verheißt schließlich die Ortschaft Otter Rock. Der kleine Küstenort lädt mit Cafés zu einer Pause ein. Abschließend kann man am Otter Rock Beach, der eine geschützte Bucht säumt, Wellenreitern bei ihren Künsten auf dem Brett zuschauen. Alles in allem ist die Devils Punchbowl State Natural Area ein kleines Paradies direkt am Pacific Coast Scenic Byway (angebunden über den Otter Crest Loop und die First Street). Obwohl Parkplätze vorhanden sind, kann es an Wochenenden und rings um Feiertage hier recht voll werden.