Kunstliebhaber kommen am Winterthur Museum, Garden and Library nicht vorbei. Vor den Toren von Wilmington im Brandywine Valley gelegen, beherbergt das einstige Anwesen von Henry Francis du Pont, einem Urenkel des Firmengründers E.I. du Pont, das führende Museum der USA für amerikanische dekorative Kunst. Zu bewundern gibt es außerdem prachtvoll gestaltete Gartenanlagen.
Herzstück der weitläufigen Anlage ist eine Villa, die mit ihren unglaublichen 175 Zimmern alles andere als eine gewöhnliche Residenz ist. Beeindruckt bereits die schiere Größe des Herrenhauses, lässt die reichhaltige Ausstattung ein ums andere Mal staunen. Der enorme Fundus ist das Ergebnis von H.F. du Ponts ausgesprochener Sammelleidenschaft, die sich auf amerikanische Möbel, Textilien, Keramiken sowie Gemälde vom 17. bis zum 19. Jahrhundert erstreckte. Besucher erwartet nichts weniger als die größte Sammlung amerikanischer Gebrauchskunst überhaupt, die dem Winterthur Museum auch internationales Ansehen beschert.
Bemerkenswert sind dabei nicht nur der Umfang der Sammlung mit mehr als 90.000 Objekten und die erlesene Qualität vieler Ausstellungsstücke, sondern auch der Rahmen, in dem die Werke präsentiert werden. Henry Francis du Pont ließ die einzelnen Räume so ausstatten, dass die wertvollen Stücke in seinem Alltag erlebbar waren und dabei in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang stimmig zur Geltung kamen. Bei einem Rundgang erlebt man du Ponts Gespür für historische Zusammenhänge und sein ästhetisches Geschick.
Bei der Reise durch drei Jahrhunderte amerikanischen Lebensstils, die zugleich einer innigen Begegnung mit Henry Francis du Pont gleichkommt, könnte man fast die Zeit vergessen, sollte aber auf jeden Fall ausreichend von dem kostbaren Gut für die Gartenanlagen einplanen, die sich nicht minder spektakulär zeigen. In der 60 Hektar großen Anlage erlebt man eine weitere Facette du Ponts, der sich mit dem Winterthur Museum nicht nur als Schöngeist ein Denkmal setzte, sondern sich auch als versierter Gärtner betätigte.
Das Ergebnis dieser weiteren Leidenschaft sind Gartenanlagen, die sich in die natürliche Schönheit der Region einfügen und das ganze Jahr über nicht mit Reizen sparen. Besonders hübsch ist es während der Azaleenblüte im Frühjahr oder wenn der Herbst die Gärten in ein buntes Farbenmeer hüllt. Diese Parklandschaft verleiht dem Winterthur Museum einen angemessenen Rahmen.
Schließlich sei noch erwähnt, dass das Anwesen die Winterthur Library beherbergt, eine der weltweit führenden Forschungsbibliotheken für amerikanische Kunst und Kultur vom 17. bis in das 20. Jahrhundert. Die Bibliothek ist im Hauptgebäude eingerichtet und umfasst einen großen Bestand an seltenen Büchern, Manuskripten, Fotos und Archivmaterial. Damit ist sie ein gefragter Anlaufpunkt für Gelehrte aus aller Welt. Nach vorheriger Anmeldung steht die Winterthur Library auch Besuchern des Museums offen.
Das Winterthur Museum lässt sich übrigens hervorragend mit weiteren Kulturschätzen in der unmittelbaren Umgebung verbinden, die Wilmington den Ruf als ausgesprochener Kulturmetropole einbrachten. Dazu gehört neben dem für seine verschwenderische Pracht berühmten Nemours Estate das erste Anwesen der Familie du Pont, das den Grundstein für den späteren Welterfolg legte und heute als Hagley Museum zugänglich ist. Nicht weit davon präsentiert das Delaware Art Museum erlesene Kunstschätze von internationalem Rang.