Mit dem Walters Art Museum finden Kunstliebhaber in Baltimore eine Schatztruhe, die mit Kostbarkeiten aus Jahrtausenden Kulturgeschichte reich gefüllt ist. Von ägyptischen Mumien über prächtige Ritterrüstungen bis hin zu Meisterwerken der Renaissance präsentiert es einzigartige Juwelen. Neben dem Baltimore Museum of Art ist das Haus ein wesentlicher Grund dafür, dass die größte Stadt Marylands einen ausgezeichneten Ruf als Kunstmetropole genießt.
Hinter seinen Mauern bewahrt das im historischen Stadtteil Mount Vernon direkt nördlich von Downtown gelegene Museum eine Sammlung von mehr als 36.000 Objekten. Es erstreckt sich über insgesamt fünf Gebäude in Nachbarschaft des markanten Washington Monuments, die die Architekturgeschichte der Stadt anschaulich repräsentieren. Drei davon beherbergen die für Besucher zugänglichen Ausstellungen zu jeweils besonderen Schwerpunkten aus unterschiedlichen Epochen.
Den Anfang macht das alte Hauptgebäude aus dem Jahr 1904, ein prächtiger Palast, der sich an die italienische Renaissance anlehnt. Das ursprüngliche Galeriegebäude zeigt rings um seinen hübschen Innenhof Kostbarkeiten der Antike und Werke der europäischen Renaissance und des Barock. In den prunkvollen Sälen wandeln Besucher zwischen ägyptischen, griechischen und römischen Relikten und Meisterwerken von El Greco oder Raffael.
In einem architektonischen Kontrast dazu, der kaum größer sein könnte, steht der brutalistisch gestaltete Erweiterungsbau aus den 1970-er Jahren. Im Herzen des als Center Street Building bekannten Kolosses findet sich neben der Abteilung für Mittelalterliche Kunst die weltweit beachtete Sammlung für islamische Kunst. Mit der Rüstungskammer voller prachtvoller Rüstungen und Waffen aus der Ritterzeit ist hier zudem einer der größten Publikumsmagnete des Walters Art Museum untergebracht.
Auf reges Interesse stößt nicht zuletzt das elegante Hackerman House. Das historische Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine Sammlung asiatischer Kunst, um die mancher das Walters Art Museum beneiden dürfte. Seine stilvoll restaurierten Räume bieten feinstem chinesischen Porzellan und filigranen japanischen Holzschnitten einen Rahmen, der der fernöstlichen Ästhetik zur Ehre gereicht.
Doch in diesen Schwerpunkten erschöpft sich das vorzügliche Spektrum, mit denen das Walters Art Museum in der Liga der führenden Museen vertreten ist, noch lange nicht. So begegnen Besucher in den Galerien amerikanischer Kunst dem vielleicht bekanntesten Gesicht in der Geschichte der USA. Es ist nicht nur eines der ikonischen Bildnisse von George Washington, die Gilbert Stuart schuf, sondern das Vorbild für Washingtons Porträt auf der Ein-Dollar-Note.
Einmalig und daher von unermesslichem Wert ist das sogenannte Archimedes-Palimpsest, eine Sensation der Wissenschaftsgeschichte und einzigartiges museales Highlight. Das mittelalterliche Manuskript verbirgt unter religiösen Texten Schriften des antiken griechischen Mathematikers Archimedes. Objekte wie diese unterstreichen den Reiz des Museums, das gleich einem enzyklopädischen Gedächtnis der Menschheit unzählige faszinierende Überraschungen jenseits ihres künstlerischen Wertes birgt.
Angesichts dieser Dichte an aufsehenerregenden Ausstellungsstücken und damit verbundener Erlebnisse dürfte manchen schließlich auch verblüffen, dass der allgemeine Eintritt zum Walters Art Museum kostenlos ist. Vor dem Besuch des Baltimore Museum of Art, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte und der ebenfalls gratis möglich ist, lohnt sich ein Bummel durch das Viertel Mount Vernon. Mit seinen prächtigen Gaslaternen und herrschaftlichen Wohnhäusern schlägt hier das historische Herz Baltimores.