Das Old Sturbridge Village im Herzen von Massachusetts ist ein Magnet für Geschichtsliebhaber. Das größte Museum seiner Art Neuenglands und eines der bemerkenswertesten in den USA präsentiert zahlreiche authentische Bauwerke und zeigt anhand historischer Nachstellungen das Leben der Region im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert. Wer es besucht, unternimmt nicht nur eine Zeitreise, sondern einen Ausflug in die Seele dieses liebenswerten Landstrichs.
Seinen einzigartigen Charakter verdankt das Old Sturbridge Village seinen „Costumed Interpreters“. Diese Historiker in zeitgenössischen Aufzügen präsentieren nicht einfach nur das Leben und die üblichen Handwerkstechniken der damaligen Zeit, sie gehen voll in ihren Rollen auf. In der Schmiede des Museumsdorfes oder der Weberei wird bei der Arbeit über den Alltag jener Zeit geplaudert, lokale Ereignisse, die Politik und neueste Erfindungen – mancher Darsteller beherrscht seine Tätigkeit so fesselnd, dass man das Hier und Heute buchstäblich vergisst.
Dazu trägt zweifellos auch die imposante Kulisse bei, die man im Old Sturbridge Village zusammengetragen hat. Das Museumsdorf umfasst um die 40 historische Gebäude, die aus den verschiedensten Ecken Neuenglands stammen. Zu einem stimmigen Ensemble gruppiert, spazieren Besucher von der Kirche am zentralen Common an einem kleinen Bankgebäude und einem noch kleineren Schulhaus vorbei bis hin zu voll funktionsfähigen Wassermühlen. Bescheidene Farmhäuser stehen in starkem Kontrast zu gediegenen Villen wie dem Salem Towne Mansion oder dem Parsonage/Solomon Richardson House.
Bei einem Rundgang entdeckt man zahlreiche weitere Details wie die Historic Vermont Covered Bridge, ein besonders liebenswürdiges Relikt aus alten Tagen. Ein einmaliges Kleinod bildet mit der Freeman Farm den südlichen Abschluss des Old Sturbridge Village. Der Bauernhof zeigt das einfache und mühevolle Landleben jener Zeit. Wie vor 200 Jahren üblich, werden Felder mit Hilfe von Ochsen bestellt und abgeerntet, historische Tierrassen gezüchtet und im Hausgarten Kräuter und Gemüse angebaut, die über offenem Feuer auf althergebrachte Weise verarbeitet werden.
Probieren dürfen Besucher die Resultate übrigens nicht, da die Zubereitung unter einfachsten Bedingungen nicht heutigen Hygienevorschriften entspricht. Wer bei diesen Anblicken dennoch Hunger verspürt, wird selbstverständlich im Old Sturbridge Village fündig. Das Museumsdorf bietet verschiedene gastronomische Optionen wie die Bullard Tavern, die deftige Speisen nach traditionellen Vorbildern serviert.
Nahe der Taverne wartet mit dem Stage Coach eine weitere Attraktion des Museums, das zum authentischen Erlebnis seiner Gäste zweifelsohne ebenso beiträgt. Der originalgetreue Nachbau einer historischen Concord-Postkutsche passt nicht einfach nur hervorragend in das Gesamtbild. Gezogen von belgischen Kaltblütern, handelt es sich um ein bewegliches Ausstellungsstück, das seine Mitfahrer bei Touren rings um den Common das Reisen im 19. Jahrhundert auf faszinierende Weise erleben lässt.
Schließlich haben Besucher die Möglichkeit, die eine oder andere Erinnerung an ihre Zeitreise im Old Sturbridge Village mit nach Hause zu nehmen. Während das Besucherzentrum klassische Mitbringsel wie Bücher, Spielzeug oder T-Shirts anbietet, findet sich in den einzelnen Handwerksbetrieben die Gelegenheit, etwas Außergewöhnliches zu erstehen, das zum authentischen Anspruch des Museums passt. So können Besucher vor ihren Augen hergestellte Glaswaren oder in der Töpferei handgefertigte Keramik kaufen.
Ein beliebtes Souvenir ist nicht zuletzt direkt gewonnener Ahornsirup, der bei den Maple Days ab Ende Februar auf traditionelle Weise gewonnen wird. Diese Tage sind einer von mehreren interessanten Veranstaltungen, mit denen sich das Old Sturbridge Village auch im Winter als interessantes Ziel positioniert, Lediglich zum Jahresauftakt gönnt man sich eine über mehrere Tage andauernde Ruhepause.
Das Museum, das seit dem Jahr 1946 Gäste begrüßt und seither kontinuierlich gewachsen ist, liegt verkehrsgünstig zwischen den Städten Worcester und Springfield am Rande des heutigen Dorfes Sturbridge. Es bietet sich an für einen Abstecher von den beiden sehenswerten Städten, die jeweils nur eine kurze Autofahrt entfernt sind. Wer sich besonders für die Anfänge des heutigen Neuengland interessiert und tiefer in dieses Kapitel einsteigen möchte, sollte sich die thematisch passenden Plimoth Patuxet Museums an der Küste auf keinen Fall entgehen lassen.