Das Milwaukee Art Museum ist ein Leckerbissen, der zu den unverzichtbaren Museen an den Großen Seen gehört. Das Kunstmuseum ist der wohl aufsehenerregendste Ort in der ansonsten als bodenständig geltenden Metropole Milwaukee, was in erster Linie mit seiner spektakulären architektonischen Gestaltung zu tun haben dürfte. Sie weckt Neugier auf Galerien voller exquisiter Stücke, die die Einrichtung zu einer der größten und besten ihrer Art in den USA machen.
Schon aus der Entfernung sticht der futuristische Quadracci-Pavillon ins Auge. Mit kühnen Formen und markanten Sonnenschutzflügeln, die sich wie gigantische Schwingen eines Vogels am Ufer des Michigansees ausbreiten, ist dieser strahlend weiße Erweiterungsbau von Santiago Calatrava nicht nur das Markenzeichen des Milwaukee Art Museums, sondern längst eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Es ist zugleich ein ausgesprochenes technisches Meisterwerk, das weltweit seinesgleichen sucht. Besonders imponiert das raffinierte Burke Brise Soleil. Der bewegliche Sonnenschutz öffnet und schließt seine Flügel je nach Tageszeit und Witterung.
Damit ist der Quadracci-Pavillon zweifellos ein Kunstwerk für sich. Während viele hinter diesem architektonischen Ausrufezeichen das ganze Museum vermuten, besteht die Einrichtung aus insgesamt drei Gebäuden. Das sachlich-nüchterne War Memorial Center und der funktionale Kahler-Bau verblassen zwar hinter diesem preisgekrönten Aushängeschild, doch überzeugen diese Museumsteile mit ihren bemerkenswerten Sammlungen, die die eigentlichen Schätze ausmachen.
Zu den Highlights des Milwaukee Art Museums gehört eine der bedeutendsten Sammlungen der aus Wisconsin stammenden Künstlerin Georgia O’Keeffe, die zu den berühmtesten Ikonen der klassischen Moderne zählt und für ihre Naturverbundenheit geschätzt wird. Die Liebe zur Umwelt zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen und lässt sich eindrücklich an Werken wie der meditativen Wolkenlandschaft „Sky Above Clouds“ oder dem berühmten Blumenbild „Poppy“ ablesen. Eine weitere Spezialität des Hauses ist die haitianische Kunst, die als eine der umfangreichsten Kollektionen ihrer Art überhaupt gilt.
Passend zum Erbe Milwaukees zeigt das Museum eine fast schon unermessliche Auswahl von Werken mit Bezug zu Deutschland. Einen beachtlichen Stellenwert hat dabei der deutsche Expressionismus. Einprägsam sind etwa die Arbeiten von Gabriele Münter, Ernst Ludwig Kirchner oder Wassily Kandinsky. Das ikonische Gemälde „Die Familie“ von Max Beckmann aus dem Jahr 1920 repräsentiert die Neue Sachlichkeit, während mit Gerhard Richter einer der wesentlichen Protagonisten der Nachkriegszeit und Gegenwart vertreten ist.
Auch sonst sind im Milwaukee Art Museum meisterhafte Stücke von Weltrang zu bewundern. Insgesamt beherbergt die Einrichtung weit mehr als 30.000 Kunstobjekte. Der Bogen spannt sich von der Antike bis in die Gegenwart und reicht von Meisterwerken Europas aus mehreren Jahrhunderten bis zu einem facettenreichen Querschnitt amerikanischer Kunst.