Wer sich für Fotografie und Film interessiert, findet mit dem George Eastman Museum in Rochester das älteste und eines der besten Museen der Welt zu diesem Thema. Eingerichtet in dem mondänen Wohnsitz des Kodak-Gründers George Eastman im Osten der Stadt, erleben Besucher in einem stilvollen Ambiente eine einzigartige Sammlung an Fotos, Filmen, Kameras und anderen Geräten. Dabei wandelt man auf den Spuren einer der berühmtesten Unternehmerpersönlichkeiten in der Geschichte der USA.
Bereits das Anwesen in der vornehmen East Avenue ist für sich genommen ein bemerkenswertes Exponat, das unter nationalem Denkmalschutz steht. Inmitten einer prachtvoll gestalteten Gartenanlage thront Eastmans opulente Villa aus dem Jahr 1905. Das Herrenhaus im Georgian-Revival-Stil mit seiner luxuriösen Ausstattung diente Eastman nicht nur als Wohnhaus. Der Philantrop und Musikliebhaber ließ es mit einer eigenen Orgel bestücken und machte es zum Mittelpunkt der musikalischen Szene der Stadt. Die Orgel wird noch heute regelmäßig gespielt und macht das George Eastman Museum jenseits seines Hauptzwecks zu einem kulturellen Anker. Seit dem Jahr 1949 öffnet das Haus seine Pforten als Museum.
Herzstück des George Eastman Museums ist eine Sammlung von mehr als 400.000 Fotos und Negativen aus der Anfangszeit der Fotografie bis in die Gegenwart. Hinzu kommen mehrere Zehntausend Filme und zahllose Gegenstände aus der Welt der stillen und bewegten Bilder. Das Spektrum reicht von Kinoplakaten über Manuskripte bis hin zu technischen Geräten wie einer originalen Drei-Streifen-Technicolor-Kamera, mit denen ab Mitte der 1930-er Jahre Farbe in die Kinos kam. In immer wieder neu zusammengestellten Ausstellungen erleben Besucher eine umfassende Reise durch die Entwicklung von Fotografie und Film.
Dabei erhält man manchen bewegenden Einblick in das Leben und Wirken von Legenden wie Greta Garbo. Ihre persönliche Fotosammlung mit vielen privaten Schnappschüssen ist einer der millionenfachen Schätze, die das George Eastman Museum hütet. Ein anderer Höhepunkt ist der künstlerische Nachlass der Regie-Größen Cecil B. DeMille. All das macht das George Eastman Museum buchstäblich zu einem persönlichen Tagebuch der Ära des klassischen Hollywoods.
Ein Leckerbissen für Filmfans ist nicht zuletzt das Dryden Theatre. Das 1951 in einem Anbau eröffnete Kino präsentiert ganzjährig Filmreihen aus dem riesigen Archiv des Hauses, das eine der umfassendsten Sammlungen an Technicolor-Filmen besitzt und daher auch als „Gedächtnis Hollywoods“ bekannt ist. Bemerkenswert sind auch Titel in dem seltenen Nitrofilm-Format. Dieses Material aus der Anfangszeit des Films ist hochgradig brennbar und verlangt eine spezielle technische Ausstattung, um sicher gezeigt werden zu können. Dieses nahezu einzigartige Feature verleiht dem George Eastman Museum zusätzliche historische Tiefe und unterstreicht seinen außerordentlichen Reiz.
Besondere Erwähnung verdient schließlich das George Eastman Archive and Study Center. Es zeigt Tausende persönliche Gegenstände und Dokumente aus der frühen Entwicklung des Unternehmens Kodak und erhellt damit ein bedeutendes Stück Industriegeschichte. Zu den Exponaten gehören neben Eastmans akribisch geführter Korrespondenz Prototypen der ersten Kameras, die Kodak weltweiten Ruhm einbrachten. Der vielleicht kostbarste Schatz ist die Kodak Nr. 1 aus dem Jahr 1888. Die erste Fotokamera überhaupt ermöglichte das Fotografieren für jedermann.