Ackland Art Museum

Das Ackland Art Museum ist der Beweis, dass es nicht unbedingt Museen von Weltrang in New York, Chicago oder San Francisco braucht, um Kunst auf höchstem Niveau zu erleben. Das der Universität von North Carolina in Chapel Hill angeschlossene Haus präsentiert einen bemerkenswerten Querschnitt aus Jahrtausenden menschlicher Kulturgeschichte. Darunter sind Meisterwerke, die selbst führenden Häusern gut zu Gesicht stünden. Ein Besuch lohnt sich also auch für anspruchsvolle Kunstliebhaber.

Hinter der schlichten Fassade aus Backstein verbirgt sich eine Sammlung von weit mehr als 20.000 Objekten, die allein schon mit ihrer schieren thematischen Breite verblüfft. Verschiedene Galerien imponieren außerdem mit einer enormen Tiefe. Besonders zu nennen ist etwa die Kollektion asiatischer Werke, die Kenner als eine der profiliertesten im Südosten der USA wertschätzen. Feine Skulpturen aus Japan und Indien etwa stehen in einem spannungsvollen Kontrast zu europäischen Spitzenwerken.

In dieser Hinsicht präsentiert das Ackland Art Museum Kostbarkeiten von Größen der Renaissance wie Albrecht Dürer, dessen meisterhafte Grafiken weltweiten Ruhm genießen. Nicht minder hoch ist das Renommee der Barockmeister Rembrandt und Rubens, deren Werke hier zu sehen sind. Auch der für seine ausdrucksstarken Werke berühmte Eugène Delacroix ist vertreten. Die künstlerische Reise durch die Epochen endet nicht bei Ikonen wie Pablo Picasso, Henri Matisse oder Joan Miró, sondern findet erst mit zeitgenössischen Arbeiten vom Format eines Andy Warhol ihren Höhepunkt. Drucke, Zeichnungen und Fotografien sind übrigens eine der Kernkompetenzen des Museums und machen ungefähr die Hälfte aller Exponate aus.

Mit alldem lässt sich das Haus ohne Weiteres in einem Atemzug mit führenden Ausstellungen erwähnen. Es bietet aber einen entscheidenden Vorteil. Besucher erwartet ein unmittelbares, fast schon intimes Erlebnis dieser bezaubernden Kunst. Denn starken Andrang braucht man hier im Gegensatz zu den großen Touristenmagneten nicht zu befürchten, und das, obwohl der Eintritt zu den erlesenen Kunstschätzen gratis ist. Das Ackland Art Museum zählt nur um die 60.000 Gäste pro Jahr.

Darunter sind viele Kunststudenten der Universität, die das Haus buchstäblich als erweiterten Hörsaal nutzen. Hier verspürt man somit zugleich den akademischen Geist der Einrichtung und begegnet vielleicht, ohne es zu bemerken, einem herausragenden Talent, das die Kunstwelt von Morgen prägt. Diese Atmosphäre trägt neben der Möglichkeit, die meisterlichen Schöpfungen in aller Ruhe bewundern zu können, zum Reiz des Hauses bei. Der Besuch im Ackland Art Museum sollte unbedingt mit einer Tour über den schönen Campus der Universität verbunden werden, der mit ikonischen Sehenswürdigkeiten wie der Old Well und dem Morehead Planetarium and Science Center ganz in der Nähe aufwartet.

Zu verdanken ist dieses mitunter unterschätzte Juwel von Museum dem passionierten Kunstsammler William Hayes Ackland, der seine zusammengetragenen Schätze eigentlich der renommierten Duke University im nahegelegenen Durham hinterlassen wollte. Die damit verbundene Bedingung des Stifters, inmitten des Museums bestattet zu werden, lehnte die Eliteuniversität aber ab.

Der daraufhin entbrannte jahrelange Rechtsstreit um den Nachlass ging zugunsten der University of North Carolina aus, die Ackland als Alternative vorgesehen hatte. 1958 eröffnete das Haus schließlich an seinem heutigen Standort. Und auch der letzte Wunsch des Stifters ging in Erfüllung. Er fand inmitten einer ihm zu Ehren angelegten Galerie seine letzte Ruhe.

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