Exploratorium

Anfassen, Mitmachen, Staunen – so lässt sich in etwa beschreiben, was Besucher im Exploratorium in San Francisco erwartet. Das Wissenschaftsmuseum ist kein Museum im klassischen Sinn, sondern eher ein interaktiver Abenteuerspielplatz, der die Welt von Wissenschaft und Forschung hautnah vermittelt und dabei so manches Aha-Erlebnis verheißt. Es ist nicht nur ein Magnet innerhalb des berühmten Hafenviertels Embarcadero, sondern gilt als eine der besten Einrichtungen ihrer Art weltweit.

Allein schon mit seiner exponierten Lage beeindruckt das Exploratorium. Es ist auf dem Pier 15, einem historischen Anleger auf halber Strecke zwischen dem markanten Ferry Building und dem beliebten Fisherman’s Wharf, eingerichtet. Imposant ist der Blick von der verglasten Front des Fisher Bay Observatory auf die San Francisco Bay, die hier buchstäblich selbst zum Anschauungsstück wird. So kann man durch gläserne Bodenöffnungen und mittels spezieller Sensoren die Gezeiten in der Bucht, ihren Salzgehalt oder die Strömungen unter dem Pier live beobachten.

Doch das ist erst der Auftakt. Unter den mehr als 600 Exponaten, für die man besser mehr Zeit einplant, finden sich Dinge, die auf vielerlei Weise in Erinnerung bleiben. Ein Klassiker ist der Ames Room, der für raffinierte optische Täuschungen berühmt ist. Die Architektur des Raumes scheint Personen wahlweise zu Riesen wachsen oder zu Zwergen schrumpfen zu lassen. Wird hier lediglich die Wahrnehmung raffiniert auf die Probe gestellt, verheißt der Tactile Dome eine intensive Grenzerfahrung. Es ist ein abgedunkeltes Labyrinth, in dem es kriechend und tastend durch absolute Dunkelheit zu navigieren gilt. Das faszinierende Experiment macht deutlich, wie schnell sich die Wahrnehmung anpasst, sobald man nichts mehr sehen kann.

In zahlreichen weiteren Ausstellungen taucht man immer tiefer in die Welt der Wissenschaft ein. Der Bereich der Living Systems lädt dazu ein, echte biologische Prozesse unter leistungsstarken Mikroskopen zu verfolgen, während Stationen zum Thema menschlicher Phänomene Instinkte und soziale Verhaltensweisen auf die Probe stellen. Im Tinkering Studio können Besucher sich kreativ betätigen und aus einfachsten Materialien Dinge erschaffen und den Tatendrang, der das gesamte Haus durchzieht, mit Leben erfüllen. Dabei lassen sich ohne Weiteres Stunden zubringen.

Selbst der Außenbereich des Exploratoriums, der buchstäblich mit der Umgebung verschmilzt, lädt zum Staunen ein. So wird der berüchtigte Nebel San Franciscos auf der Fog Bridge greifbar. Der Steg hüllt sich in aufwendig erzeugte dichte weiße Schleier. Dass all diese energieintensiven Ausstellungen auf Kosten der Umwelt gehen, braucht man allerdings nicht zu fürchten. Das Exploratorium legt Wert auf Nachhaltigkeit. Eine gigantische Solaranlage auf dem Dach deckt den Energiebedarf und macht das Science Center zu einem globalen Vorreiter.

Auch das Konzept der Wissenschaft zum spielerischen Erleben und Mitmachen ist dem Exploratorium zu verdanken. Die 1969 gegründete Einrichtung gilt als Begründer des interaktiven Museums. Zwar hat sich die Idee der „Hands-on“-Erlebnisse inzwischen von San Francisco aus in alle Welt verbreitet, doch seine führende Rolle behauptet die Einrichtung bis heute. Dem exzellenten Ruf folgen natürlich Besucher in großen Scharen. Mit rund einer Million Besuchern im Jahr gehört sie zu den gefragtesten Attraktionen der Stadt.

Wer dem alltäglichen Trubel entgehen und das Exploratorium in exklusivem Ambiente erleben möchte, sollte sich den Donnerstagabend vormerken. Dann ist das Museum im Rahmen seiner Reihe „After Dark“ ausschließlich für Erwachsene geöffnet und mit Cocktails und Musik ein stimmungsvoller Treffpunkt.

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