San Bernardino

Offen gestanden, gehört San Bernardino nicht zu den Orten, die in Reiseführern mit Lobeshymnen bedacht werden. Die Großstadt östlich von Los Angeles ächzt unter wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, ist aber gerade deshalb ein Ort, an dem sich das einfache, ungeschminkte Amerika abseits der Hochglanzprospekte hautnah spüren lässt. Mit einigen durchaus imponierenden Sehenswürdigkeiten und einer landschaftlich reizvollen Umgebung verheißt das Tor zum so genannten Inland Empire dann auch noch manches ungeahnte Erlebnis.

Lange Zeit galt San Bernardino als verheißungsvolles Eingangsportal in den südlichen Teil Kaliforniens. Reisenden, die auf der legendären Route 66 auf dem Weg in ein neues Leben die Strapazen der Wüste hinter sich gelassen hatten, eröffneten sich mitten in der Stadt erste Anzeichen der erhofften Üppigkeit. Dass die ikonische Straße im Selbstverständnis San Bernardinos eine tragende Rolle spielt, ist daher kein Zufall. Das reiche Erbe ist im Verlauf der historischen Route an Orten wie dem skurrilen Wigwam Motel oder bei Veranstaltungen wie dem alljährlichen Oldtimer-Rendezvous erlebbar.

So mancher Durchreisende wurde hier ab 1940 sogar Zeitzeuge einer beginnenden Fast-Food-Revolution. Denn ausgerechnet in San Bernardino liegt der Grundstein für den Welterfolg von McDonald’s. Am 15. Mai 1940 eröffneten die Brüder Richard und Maurice McDonald ein Restaurant mit dem revolutionären Konzept des schnellen Essens einschließlich Bedienung am Auto. Das originale Restaurant an der Ecke 14th Street und E Street und somit unmittelbar an der historischen Route 66 wurde zwar leider in den 1970-er Jahren abgerissen. An jenem Ort gibt es mit dem Historic Original McDonald’s Museum jedoch eine kleine inoffizielle Gedenkstätte voller Erinnerungsstücke aus der Frühzeit des Unternehmens.

Wer dort spontan Appetit auf einen schnellen Burger oder Pommes verspürt, kann an diesem denkwürdigen Ort jedoch nicht zugreifen. Stattdessen begibt man sich, wenn es ein zur historischen Bedeutung dieses Ortes passendes schnelles Mahl sein soll, zu einer der rund zehn Filialen, die es im Stadtgebiet gibt. Kulinarisch hat San Bernardino mit seinen mehr als 200.000 Einwohnern natürlich auch jede Menge Alternativen zu bieten.

Vor allem Fans mexikanischer Hausmannskost kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Stadt gilt als einer der besten Orte im Süden Kaliforniens, um mexikanisch essen zu gehen. Ein Muss ist dabei das legendäre Mitla Café, das seine Türen bereits seit 1937 öffnet und für seine Tacos berühmt ist. Von diesen leckeren Tortillas war einst ein Gast namens Glen Bell so angetan, dass er kurz darauf die Restaurantkette Taco Bell gründete.

Frisch gestärkt, lohnt sich ein Blick auf weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besucher, die sich für die einheimische Geschichte und Kultur interessieren, finden im historischen California Theatre of the Performing Arts eine regelrechte Zeitkapsel. Seit seiner Eröffnung 1928 bietet das Theaterhaus Konzerten und sogar Broadway-Shows eine prächtige Kulisse. Ganze zehn Jahre älter ist mit dem Santa Fe Depot eines der bemerkenswertesten Gebäude der Stadt. Der imposante Bahnhof erstrahlt im Mission-Revival-Stil und beherbergt das San Bernardino Railroad and History Museum. Das San Bernardino County Museum im angrenzenden Redlands gewährt interessante Einblicke in die Geschichte der Ureinwohner und die regionale Fauna.

Beim Blick nach Norden und Osten auf die gewaltige Kulisse der San Bernardino Mountains erhält man eine Vorahnung von wilder Natur, die sich nur Minuten von der Stadt entfernt ausbreitet. Am besten dringt man auf dem Rim of the World Scenic Byway in die Bergwelt voller Wälder, Seen und Berggipfel. Orte wie der Marshall Peak verheißen spektakuläre Panoramen, während sich am Lake Arrowhead oder dem Big Bear Lake nach allen Regeln der Kunst ausspannen lässt, und zwar das ganze Jahr über.

Besonders lohnt sich ein Ausflug nach San Bernardino indes im Frühjahr, wenn die reifen Valencia-Orangen die Umgebung in ein kräftiges Orange tauchen. Zur Erntezeit im April oder Mai steigt seit 1911 die jährliche National Orange Show, die sich von einer landwirtschaftlichen Fachmesse zu einem Volksfest ganz im Zeichen der saftigen Früchte gewandelt hat und bei den Einheimischen sehr beliebt ist.

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