Baltimore Museum of Art

Das Baltimore Museum of Art ist das größte Kunstmuseum in Maryland und kann sich selbstbewusst zu den bedeutenden Häusern seiner Art zählen. Allein für die größte öffentliche Sammlung von Werken Henri Matisses der Welt wird das Museum außerordentlich geschätzt. Daneben zeigt es zahlreiche Meisterwerke der Vergangenheit und bildet mit zeitgenössischen Werken aktuelle Trends ab. Dass der Eintritt auch noch kostenlos ist, macht das Baltimore Museum of Art vollends zu einer der Top-Attraktionen von Baltimore und sogar weit darüber hinaus.

Den Grundstein für dieses Renommee legten zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten, die schon zu Lebzeiten für ihre ausgeprägte Kunstleidenschaft bekannt waren, Claribel und Etta Cone. Die als Cone Sisters bekannten Sammlerinnen aus Baltimore erkannten früh das künstlerische Genie in Henri Matisse und Pablo Picasso. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, als das Schaffen der Ausnahmetalente noch als skandalös galt, kauften die Schwestern ihre Werke. Aus innigen Freundschaften erwuchs ein Schatz, der im Fall von Matisse mehr als 1.200 Werke umfasst.

Dieser Schatz bildet heute das Kernstück des Museums. Im Cone Wing mit seinen einladend gestalteten Galerien erleben Besucher eindrucksvoll und vor allem lückenlos, welche Entwicklung Matisse von frühen Skizzen bis zu seinen späteren farbenprächtigen Meisterwerken nahm. Im Vergleich zu diesem monumentalen Bestand nimmt sich die Sammlung von Picassos Werken, die das Baltimore Museum of Art zeigt, fast schon bescheiden aus. Doch der Eindruck täuscht. Denn zu den immerhin mehr als einhundert Werken gehören einige außerordentliche Schätze aus Picassos Blauer und Rosa Periode, darunter etwa die berühmte „Frau mit einem Fächer“ aus dem Jahr 1905.

Das Baltimore Museum of Art hat jedoch noch weit mehr zu bieten als diese beiden Protagonisten der Klassischen Moderne. Weitere Highlights, die das Haus in einem Atemzug mit weltberühmten Institutionen nennen lassen, finden sich etwa in der Sammlung europäischer Malerei. Hier begegnen Besucher prominenten Meilensteinen der Kunstgeschichte. So beherbergt das Haus beispielsweise Werke des niederländischen Barockmeisters Rembrandt van Rijn und seines Zeitgenossen Anthony van Dyck. Ein besonderer Schatz, mit dem selbst viele Laien etwas anzufangen wissen, ist das impressionistische Gemälde „Die Eisenbahnbrücke in Argenteuil“ von Claude Monet.

Abgerundet wird ein Rundgang zwischen all den Kostbarkeiten durch die Sammlung amerikanischer Kunst von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart, die ebenfalls aus den in vielen Museen anzutreffenden Kollektionen hervorsticht. Neben bedeutenden Porträts aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Einblick in die Frühzeit der Republik vermitteln, und Werken namhafter Größen wie Louis Comfort Tiffany oder Georgia O’Keeffe, widmet das Baltimore Museum of Art auch einheimischen Talenten eine Plattform. Dazu zählt etwa Amy Sherald, die für ihr Porträt von Michelle Obama im Jahr 2018 große Bekanntheit erlangte.

Nicht minder bemerkenswert ist die Abteilung des Hauses für afrikanische Kunst. Im Laufe der Zeit hat man eine der bedeutendsten Sammlungen der USA in dieser Hinsicht zusammengetragen. Sie beinhaltet mehr als 2.000 Stücke von Gebrauchskunst bis hin zu zeremoniellen Kostbarkeiten. Zu den unvergleichlichen Höhepunkten zählen Raritäten wie eine imposante D’mba-Schultermaske aus Guinea, eine tragbare Büste einer Frauengestalt. Faszinierend ist außerdem die „Kneeling Female Figure“, eine besonders filigran gearbeitete, kniende Schreinfigur aus dem heutigen Nigeria.

Doch damit noch längst nicht genug: Zwei Skulpturengärten runden das Portfolio des Baltimore Museum of Art ab. Bestückt mit monumentalen Meisterwerken von Größen wie Auguste Rodin oder Henry Moore, setzt sich hier die faszinierende Sammlung des Museums unter freiem Himmel fort. Die sorgfältig gestalteten Parkanlagen verleihen dem Kunsterlebnis einen würdigen Rahmen. Auf Schritt und Tritt erwarten Besucher Glanzlichter, die den hohen kulturellen Anspruch des Hauses mit insgesamt rund 100.000 Sammelstücken eindrucksvoll unterstreichen.

Das Gleiche gilt auch für den Museumsbau selbst, der sich harmonisch in das Gelände der renommierten Johns Hopkins University einfügt. Das 1929 (15 Jahre nach der Museumsgründung) eröffnete Gebäude beeindruckt mit seinem monumentalen neoklassizistischen Erscheinungsbild. Errichtet wurde es nach Plänen des angesehenen Architekten John Russell Pope, der unter anderem ikonische Bauwerke wie das Jefferson Memorial oder die National Gallery of Art in der Hauptstadt Washington entwarf. Die majestätische Front mit dem markanten Säulenportal verleiht dem Haus die Autorität, die sich in seinen reich bestückten Hallen fortsetzt.

Alles in allem ist die Einrichtung nicht nur ein Museum für Baltimore, sondern ein Geschenk an die internationale Kunstwelt. Ein Besuch ist ein Highlight der Stadt und lässt sich gut mit einem Bummel über den Homewood Campus der Johns Hopkins University verbinden. Das Herzstück des akademischen Lebens in Baltimore präsentiert sich mit seiner Architektur im Georgianischen Stil und weitläufigen Grünflächen als harmonische Oase.

Die logische Ergänzung zum Baltimore Museum of Art ist ein Besuch im Walters Art Museum im Stadtviertel Mount Vernon. Es zeigt nicht nur weitere exquisite Kunstschätze, sondern bietet ebenfalls kostenlosen Eintritt.

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