Hagley Museum

Der Name Wilmingtons ist untrennbar mit der duPont-Familie verbunden, einer der einflussreichsten Dynastien der USA. Das örtliche Hagley Museum ist ein idealer Ort, um tief in die Wurzeln der amerikanischen Industriegeschichte zu blicken und den Aufstieg einer der mächtigsten Familien des Landes zu bewundern. Das Museum umfasst ein knapp einhundert Hektar großes Grundstück am Brandywine Creek und macht den Ort, an dem die Geschichte des Chemiekonzerns DuPont im Jahr 1802 begann, der Öffentlichkeit zugänglich.

Inmitten der malerischen Landschaft, die bis heute nichts von ihrem Reiz eingebüßt hat und an einen großen Park erinnert, legte der französische Einwanderer Éleuthère Irénée du Pont mit einer Reihe von Schwarzpulvermühlen den Grundstein für das spätere Weltimperium. Die Lage des Anwesens am nordwestlichen Rand der größten Stadt Delawares erwies sich als ideal. Mit der Wasserkraft des vorbeifließenden Brandywine Creek wurden die Pulvermühlen angetrieben. Die originalgetreu restaurierten Mühlengebäude, Lagerhäuser und das historische Maschinenhaus als industrielle Kernbestandteile des Komplexes sind heute zu besichtigen.

Die funktionierenden Maschinen und interaktive Ausstellungen veranschaulichen die gefährliche, aber ertragreiche Herstellung von Schwarzpulver. Nachhaltigen Eindruck hinterlassen garantiert die fortlaufenden Schwarzpulver-Demonstrationen. Sie veranschaulichen die enorme Kraft und Gefährlichkeit des Produktes, das der duPont Familie Ruhm und Reichtum bescheren sollte. Bemerkenswert ist die Weitsicht des Unternehmensgründers. Staat einer großen ließ er seinerzeit mehrere kleine Pulvermühlen errichten. Im Fall einer Explosion konnten die nicht betroffenen Mühlen weiterarbeiten. Von den Zwischenfällen, die sich im Laufe der Zeit zu Dutzenden ereigneten, zeugen Fundamente und Mauerreste einstiger Pulvermühlen, die den Detonationen zum Opfer fielen.

Sehenswert sind auch die im Original erhaltenen und ebenfalls restaurierten Arbeiterhäuser. Sie zeigen das einfache, entbehrungsreiche Leben der Mühlenarbeiter, die mit ihren Familien auf dem Betriebsgelände wohnten. Einen enormen Kontrast dazu bildet die mondäne Eleutherian Mills Residence. Die erste Villa der duPont-Familie in Amerika nebst ihren prachtvollen Gärten erlaubt einen intimen Blick in das Leben der Elite im 19. Jahrhundert. Mit Arbeiterbehausungen und der Fabrikantenresidenz ist das Anwesen des Hagley Museums übrigens eine frühe Form einer Werkssiedlung und damit industriehistorisch besonders interessant.

Für Besucher eher weniger interessant, für Historiker und Wissenschaftler dafür um so mehr ist die Hagley Library, die in einem modernen Bauwerk ebenfalls Bestandteil des Komplexes ist, was sich in der offiziellen Bezeichnung des Anwesens – Hagley Museum and Library – angemessen widerspiegelt. Sie umfasst mit Millionen Dokumenten, Fotos und Artefakten einen kostbaren Schatz, der die Geschichte des Unternehmertums in den Vereinigten Staaten repräsentiert.

Auch wenn der Eintritt in das Hagley Museum nicht ganz billig ist, lohnt sich ein Besuch, um auf den Spuren der Familie du Pont und einem bedeutenden Aspekt der Wirtschaftsgeschichte der USA zu wandeln. Dass das Ganze in eine ausgesprochen schöne Naturlandschaft eingebettet ist, erweist sich ohne Zweifel als reizvoller Pluspunkt. Ganz in der Nähe befinden sich übrigens weitere bemerkenswerte Anwesen, an denen sich die Familiengeschichte der du Ponts und ihr unermesslicher Glanz ablesen lässt. Das berühmte Nemours Estate und das Winterthur Museum sind Highlights, die weit über die Region hinaus strahlen.

Für ausgesprochene Kunstliebhaber wartet in der Nachbarschaft des Hagley Museums übrigens mit dem Delaware Art Museum noch ein weiterer unverzichtbarer Höhepunkt. Es begeistert mit einer der weltbesten Sammlungen von Präraffaeliten-Kunst und einer der umfassendsten Kollektionen amerikanischer Illustrationen.

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