Inmitten der Stadt Vancouver befindet sich einer der historisch bemerkenswertesten Orte im pazifischen Nordwestens – die Fort Vancouver National Historic Site. Am Ufer des Columbia River gelegen, umfasst das Schutzgebiet das einstige Handelszentrum der Hudson’s Bay Company am Pazifik, den ersten Militärstützpunkt der USA in der Region und ein bedeutendes Flugfeld. Auf Schritt und Tritt begegnet man somit erstaunlichen Meilensteinen.
Einer der drei Schwerpunkte des facettenreichen Freilichtmuseums unter der Regie des National Park Service ist das rekonstruierte Fort Vancouver, das einstige Hauptquartier der Hudson’s Bay Company am Pazifik. Die Anlage umfasst eine Einfassung aus hölzernen Palisaden und verschiedene Gebäude im Inneren wie die Residenz des Leiters, das eigentliche Handelsgeschäft und das Warenlager. Zu dem Ensemble gehören diverse Werkstätten, darunter eine Schmiede, Bäckerei und Schreinerei.
Die Nachbauten basieren auf archäologischen Funden sowie historischen Aufzeichnungen und vermitteln ein realistisches Bild des Lebens in der Hochzeit des Pelzhandels im frühen 19. Jahrhundert. Noch authentischer wird das Erlebnis, wenn Ranger von den Menschen erzählen, die einst hier lebten und arbeiteten, und freiwillige Laiendarsteller in die Rollen damaliger Protagonisten schlüpfen.
Nur wenige Schritte vom Fort Vancouver entfernt finden sich Besucher in einem weiteren markanten Teil der regionalen Historie wieder, der unter der Bezeichnung Army Barracks den zweiten thematischen Schwerpunkt des Parks umfasst. Das Areal der Army Barracks beleuchtet einen wesentlichen Aspekt der Militärgeschichte Vancouvers. Hier unterhielt die U.S. Army ab dem 19. Jahrhundert ihren ersten Stützpunkt im Pazifischen Nordwesten überhaupt.
Nachdem das Militär im Jahr 2011 diesen Standort aufgab, wurde er in die Fort Vancouver National Historic Site integriert. Seither umfasst der Park mit der Officers Row ein architektonisches Juwel. Die eindrucksvolle Reihe viktorianischer Offiziersvillen stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die restaurierten Häuser mit kunstvollen Veranden und gepflegten Rasenflächen vermitteln ein anschauliches Bild des gehobenen Lebensstils der Offiziere und ihrer Familien. Ein besonderer Blickfang ist das Grant House. 1849/50 erbaut, ist es zugleich eines der ältesten erhaltenen Bauwerke im Staat Washington.
Einem weiteren Superlativ widmet sich mit dem Pearson Field der dritte Schwerpunkt der Fort Vancouver National Historic Site. Es ist einzigartig, denn es handelt sich nicht nur um den ersten Flugplatz im Nordwesten des Landes, sondern eines der ältesten durchgehend betriebenen Flugfelder der Vereinigten Staaten. Hier landete im Jahr 1937 der erste Überflug des Nordpols. Noch heute dient das Pearson Field der allgemeinen Luftfahrt. Gelegentlich finden auch Flüge mit historischen Maschinen statt. Das zugehörige Pearson Air Museum zeigt anhand verschiedener Flugzeuge und anderer Exponate die örtliche Luftfahrtgeschichte.
Damit vereint die Fort Vancouver National Historic Site nicht nur bedeutende historische Aspekte der Region, sondern hat auch im praktischen Alltag der Einheimischen ihren Stellenwert. Mit rund einer Million Besuchern im Jahr ist dieser Ort auch ein bedeutender Faktor im Fremdenverkehr der Gegend. Bei einem Besuch in Vancouver und dem unmittelbar benachbarten Portland lohnt sich also ein näherer Blick.
Oftmals übersehen, aber nicht minder interessant ist eine etwas abseits gelegene Außenstelle der Fort Vancouver National Historic Site. Sie umfasst das McLoughlin House und das benachbarte Barclay House in Oregon City südlich von Portland. Das McLoughlin House war das Wohnhaus von Dr. John McLoughlin, dem langjährigen Leiter des Fort Vancouver und einer prägenden Figur in Oregon. Im Barclay House war sein Weggefährte Dr. Forbes Barclay zu Hause. Beide Gebäude stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und stehen Besuchern im Rahmen geführter Touren offen (allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten).