Vancouver

Wer den Namen Vancouver hört, denkt vermutlich zuerst an die Metropole im Westen Kanadas. Dabei gibt es ein Stück weiter südlich im Bundesstaat Washington eine gleichnamige Stadt, die mit ihren 200.000 Einwohnern ein durchaus beachtliches Reiseziel abgibt. Sie verbindet eine interessante Historie mit einer landschaftlich reizvollen Umgebung und punktet außerdem mit ihrer guten Infrastruktur und Lage.

Vancouver liegt am nördlichen Ufer des mächtigen Columbia River. Auf der anderen Flussseite erstreckt sich bereits Oregons größte Metropole Portland. Obwohl in verschiedenen Bundesstaaten, bilden beide Städte einen gemeinsamen urbanen Raum und kooperieren auf vielerlei Weise, unter anderem sogar im Tourismus. Sie lassen sich somit hervorragend miteinander verbinden und die Anzahl der Möglichkeiten verdoppeln.

Im Fall von Vancouver bedeutet dies unter anderem den Besuch im historischen Herzstück der Stadt, der Fort Vancouver National Historic Site. Dieser Ort umfasst eine Rekonstruktion des Fort Vancouver, das die Hudson’s Bay Company im Jahr 1825 als Hauptquartier für den Pelzhandel errichtete. Von hier aus kontrollierte das Unternehmen diesen Wirtschaftszweig an der gesamten Pazifikküste von Alaska bis nach Mexiko.

Der Nationalpark enthält zudem die Vancouver Barracks, den ersten Stützpunkt der Armee der USA im Pazifischen Nordwesten, den die Army von 1849 bis 2011 nutzte. Ein Juwel ist die zu dem Komplex gehörende Häuserzeile namens Officer’s Row aus 21 restaurierten viktorianischen Bauwerken. Das bemerkenswerte Grant House stammt aus dem Jahr 1849/50 und ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude im Nordwesten der USA.

Das ebenfalls zum Park gehörende Pearson Air Museum rundet den historischen Komplex ab. Es beleuchtet die Rolle des hiesigen Pearson Fields als einen der ältesten durchgehend betriebenen Flugplätze der USA und erinnert an Meilensteine in der militärischen und zivilen Luftfahrt wie den ersten Überflug des Nordpols im Jahr 1937, der auf dem Pearson Field endete.

Von diesen markanten historischen Orten ist es nicht weit bis zur Waterfront, die sich nach einer umfassenden Revitalisierung heute als modernes Quartier mit Wohnungen, Hotels, Restaurants, Cafés und Bars präsentiert. Ein Aushängeschild des Viertels ist der Grant Street Pier, eine Besucherplattform, die über dem Wasser des Columbia River schwebt und hervorragend für Selfies taugt.

Im Gegensatz zu dem trendigen Viertel, das Vancouvers neues Selbstbewusstsein hervorragend spiegelt, geht es in der nach Norden angrenzenden Innenstadt eher bodenständig zu. Der Weg dorthin führt durch den bereits 1853 angelegten Esther Short Park, den ältesten Stadtpark im Staate Washington. Hier herrscht bis heute lebhaftes Treiben, denn die Anlage zu Füßen des markanten Salmon Run Bell Towers ist mit Konzerten, Veranstaltungen und dem lokalen Bauernmarkt ein beliebter Treffpunkt. Zu den Höhepunkten zählt das Vancouver Wine and Jazz Festival, das größte Event seiner Art im Nordwesten.

Downtown Vancouver ist neben seinen Boutiquen, Restaurants und Cafés zugleich Schauplatz einer aufstrebenden Kulturszene. Rings um das historische Kiggins Theatre finden sich daher auch zahlreiche Kunstgalerien. Den Bereich, in dem auch noch öffentliche Großbilder manche Fassade zieren, ernannte die Stadt im Jahr 2014 folgerichtig zum „Arts District“.

Wer sich für Kunst interessiert, die die Natur den Einheimischen und Besuchern beschert, wird gleich jenseits der Stadtgrenzen fündig. Die breite Schlucht des Columbia River ist berühmt für ihre majestätische Erscheinung und ein Ausflugsziel ersten Ranges. Die Gegend untersteht als Columbia River Gorge National Scenic Area einem besonderen Schutzstatus. Spektakuläre Eindrücke verheißt auch das Mount St. Helens National Volcanic Monument etwa eine Autostunde nördlich der Stadt.

Alles in allem findet Vancouver eine gelungene Balance zwischen den Dingen, die ein interessantes Reiseziel ausmachen und steht seinem großen Nachbarn Portland ebenbürtig zur Seite. Die Zentren beider Städte sind übrigens nur eine viertel Autostunde voneinander entfernt. Die Autobahnbrücken, die sie verbinden, sind jeweils mit Fuß- und Radwegen versehen, so dass man den Columbia River sogar ohne Fahrzeug überqueren kann.

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